Herzinfarkt vorbeugen

Wie kann man einen Herzinfarkt verhindern?

Viele Menschen fragen sich, ob und wie man einem Herzinfarkt vorbeugen kann. Denn: Da der Herzinfarkt in der westlichen Welt zu den häufigsten Todesursachen zählt, wird fast jeder in seinem Leben einmal mit diesem Thema konfrontiert. Ob als Herzpatient, als Angehöriger oder als jemand, der regelmäßig Check-ups bei seinem Hausarzt in Anspruch nimmt. Beim Arzt fehlt jedoch häufig die Zeit, um ausführlich auf das Thema Vorsorge einzugehen. Dieser Artikel liefert daher die wichtigsten Antworten auf die Frage “Wie kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?”.

Bei der Frage, wie man einem Herzinfarkt vorbeugen kann, ist zuallererst die Frage nach den Ursachen eines Herzinfarkts wichtig. Wer die Ursachen, die sog. Risikofaktoren,  kennt und beseitigt, der kann auch den Herzinfarkt als solches verhindern. Neben ein paar wenigen Risikofaktoren, die man nicht verändern kann, wie z.B. Geschlecht, Genetik oder Lebensalter, gibt es einige, die man durchaus beeinflussen kann.

Was erhöht die Gefahr einen Herzinfarkt zu bekommen?

Dies sind die wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für einen Herzinfarkt:

Neben diesen “klassischen” Risikofaktoren, die seit Mitte des letzten Jahrhunderts bekannt sind, haben sich in den letzten Jahrzehnten weitere wichtige Risikofaktoren entdecken lassen:

  • Luftverschmutzung durch Feinstaub 
  • Lärm
  • Straßenverkehr
  • Lichtverschmutzung
  • sog. sozioökonomische Faktoren (Armut, schlechte Bildung etc.)

Je mehr Punkte man auf dieser Liste ankreuzen kann, desto größer die Gefahr, einen Herzinfarkt zu bekommen. Das Infarktrisiko kann sich allerdings hierbei bei Vorhandensein mehrerer Risikofaktoren nicht nur addieren sondern sogar potenzieren. Ein Kardiologe (Herzarzt) kann das persönliche Risiko für einen Herzinfarkt bestimmen. Dabei werden auch Faktoren wie z.B. eine bestehende Herz- oder Gefäßerkrankung berücksichtigt.

Kann man mit Hausmitteln einem Herzinfarkt vorbeugen?

Wadenwickel gegen Fieber, Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen – wenn es ein klassisches Hausmittel gäbe, um einen Herzinfarkt zu verhindern, würde es wohl jeder anwenden. So einfach ist es leider nicht. Das beste “Hausmittel” gegen einen Herzinfarkt ist im Grunde genommen ein herzgesunder Lebensstil. Das bedeutet: Nicht rauchen, sich gesund, pflanzlich betont ernähren, sich ausreichend bewegen, Stress vermeiden oder ausgleichen, den Blutdruck, den Blutzucker und die Blutfettwerte optimal einstellen. Am ehesten kommen noch bestimmte Lebensmittel als “Hausmittel gegen Herzinfarkt” in Frage.

Mit welchen Lebensmitteln kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?

Die Ernährung spielt bei der Vorbeugung eines Herzinfarkts eine wichtige Rolle. Dies erkennt man auch an den Risikofaktoren: Die Ernährung kann nämlich neben ihrem eigenen Status als Risikofaktor auch die Risikofaktoren Übergewicht, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte negativ beeinflussen. Die Liste der ungünstigen Ernährungsgewohnheiten ist lang: Die Menschen in den Industrieländern ernähren sich meist zu fettreich und zu zuckerhaltig, und sie greifen viel zu oft zu sog. hochverarbeiteten Lebensmitteln. 

Eine gesunde Ernährungsweise, die einem Herzinfarkt vorbeugen kann, ist die Mediterrane Ernährung. Sie empfiehlt den reichlichen Verzehr herzgesunder Lebensmittel.

Dies sind Lebensmittel, die einem Herzinfarkt vorbeugen können:

  • reichlich Gemüse und Obst
  • Hülsenfrüchte wie Bohnen,Linsen und Erbsen
  • ballaststoffreiche Vollkornprodukte
  • Nüsse
  • hochwertige pflanzliche Öle wie Oliven-, Raps- und Walnussöl 

Diese Lebensmittel sollten Sie eher meiden:

  • Süßigkeiten und Backwaren
  • rotes und verarbeitetes Fleisch (z.B. Wurst, Frittiertes)
  • Limonaden und Softdrinks
  • Fast Food (Burger, Pommes, …)
  • Snacks (Chips, …)

Welche Medikamente werden zur Vorbeugung eines Herzinfarkts eingesetzt?

Medikamente werden vor allem dann zur Vorbeugung eingesetzt, wenn bereits ein Herzinfarkt aufgetreten ist. Man spricht dann von der sogenannten Sekundärprävention. Daneben werden natürlich auch eine Reihe von Medikamenten zur Behandlung von Erkrankungen oder Risikofaktoren, die einen Herzinfarkt begünstigen können. Hierzu zählen z.B. cholesterinsenkende Medikamente wie Statine, Blutdruckmedikamente etc.

Es gibt zahlreiche Medikamente, die auf unterschiedliche Weisen wirken. Häufig werden auch mehrere Medikamente gleichzeitig eingesetzt. Je nach Wirkweise gibt es unterschiedliche Gruppen.

Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung, z.B. Acetylsalicylsäure, sollen die Bildung von Blutgerinnseln in den Blutgefäßen verhindern. Betablocker bieten einen gewissen Schutz vor Herzrhythmusstörungen und senken den Puls und den Blutdruck – ein wichtiger Faktor für das Herzinfarktrisiko. Auch ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptoren Blocker (Sartane) senken den Blutdruck – allerdings durch einen anderen Mechanismus. Sie schützen zusätzlich die Niere. Nitrate können bei auftretendem Brustschmerz Linderung verschaffen, indem sie die Herzkranzgefäße kurzfristig erweitern. Allerdings können sie einem Herzinfarkt nicht langfristig vorbeugen. Statine wirken sich günstig auf den Risikofaktor Blutfettwerte aus, indem sie den Cholesterinspiegel senken. Sie werden auch zur Primärprävention eingesetzt, d.h. schon dann, wenn noch kein Herzinfarkt aufgetreten ist, aber ein erhöhtes Risiko dafür besteht oder z.B. eine familiäre Neigung zu erhöhten Cholesterinwerten besteht.

Gibt es Unterschiede, wie Männer und Frauen einem Herzinfarkt vorbeugen können?

Ein Herzinfarkt kann sich nicht nur in unterschiedlicher Art und Weise bei Männern und Frauen zeigen, auch die Risikofaktoren verhalten sich bei beiden Geschlechtern etwas anders. So ist ein Diabetes bei Frauen viel relevanter für das Herzinfarkt-Risiko als bei Männern: Eine Zuckerkrankheit erhöht bei Frauen das Risiko um das achtfache, bei Männern jedoch “nur” um das 2,5fache. Eine Depression macht einen Herzinfarkt vier Mal so wahrscheinlich. Da Frauen doppelt so häufig an einer Depression leiden wie Männer, sind sie auch hier stärker betroffen. 

Auch Medikamente zur Vorbeugung eines Herzinfarkts wirken bei Frauen und Männern unterschiedlich. Der “Blutverdünner” Acetylsalicylsäure (z.B. ASS) wirkt beispielsweise bei Frauen schlechter – Betablocker dagegen besser. Nitrate können vor allem bei Frauen Migräne auslösen. Calcium-Antagonisten, die den Blutdruck senken sollen, führen bei Frauen häufiger zu Wassereinlagerungen.

Fazit

Geht es um die Vorbeugung eines Herzinfarkts, ist es zunächst wichtig, auf die eigenen Risikofaktoren zu schauen, und diese zu beseitigen bzw. zu reduzieren. Heute wissen wir, dass wir mit einem gesunden Lebensstil, der den Fokus auf eine mediterrane Ernährungsweise, viel Bewegung und wenig Stress legt, ggf. auch in Kombination mit den richtigen Medikamenten statistisch gesehen 9 von 10 Herzinfarkten verhindern können. Es liegt also an uns!

Quelle: https://www.cerascreen.de/blogs/gesundheitsportal/herz-kreislauf-erkrankungen

Häufig gestellte Fragen zum Thema Herzinfarkt

Man unterscheidet “Vorboten” von den ersten “richtigen” Symptomen. Vorboten eines Herzinfarkts können z.B. Schmerzen hinter dem Brustbein sein, die bei Belastung oder psychischem Stress auftreten, dann aber wieder verschwinden. Zu den ersten Anzeichen für einen Herzinfarkt zählen plötzliche starke Schmerzen oder ein Druckgefühl hinter dem Brustbein, das länger als 5 Minuten anhält. Es ist möglich, dass die Schmerzen können in den linken Arm, in den Hals oder Kiefer ausstrahlen, seltener in beide Arme oder in den rechten. Dazu kommt häufig ein Gefühl der Unruhe oder der Angst, Atemnot, kalter Schweiß und Übelkeit. 

Die Symptome können sich bei Männern und Frauen unterscheiden. Bei Frauen kann sich der Herzinfarkt auch durch ganz unspezifische Beschwerden ankündigen, wie z.B. Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erschöpfung. Daher kann er fälschlicherweise auch für einen Infekt gehalten werden.

Ein Herzinfarkt tritt niemals “einfach so” auf. Bei einem Herzinfarkt wird das Herzmuskelgewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Dies geschieht meistens aufgrund eines verstopften Gefäßes, das Blut zum Herzmuskel transportiert. In den allermeisten Fällen liegt eine sog. Arteriosklerose, eine “Arterienverkalkung” der Herzkranzarterien vor, auch als KHK (Koronare Herzkrankheit) bekannt. Wenn eine Ablagerung in den Herzkranzarterien, eine sog. arteriosklerotische Plaque aufreisst kommt es hier zu einer plötzlichen Bildung eines Blutgerinnsels, welches dann die Arterie komplett verstopfen und zu einem Herzinfarkt führen kann. Voraussetzung ist hierbei also das Vorhandensein arteriosklerotischer Ablagerungen in den Herzkranzarterien. In einzelnen Fällen kann die Unterversorgung auch durch lang anhaltende Verkrampfungen der Herzkranzgefäße oder andere sehr seltene Komplikationen entstehen. Selten kann es sein, dass auch junge, aktive Personen ohne deutlich erkennbare Risikofaktoren einen Herzinfarkt erleiden. Auch hier liegt aber meistens ein erkennbarer Grund – wie z.B. Anabolika- oder Drogenkonsum (z.B. Kokainkonsum) vor.

Quellen

Saleh M, Ambrose JA. Understanding myocardial infarction. F1000Res. 2018 Sep 3;7:F1000 Faculty Rev-1378. doi: 10.12688/f1000research.15096.1. PMID: 30228871; PMCID: PMC6124376.

Gurfinkel EP, Lernoud VS. Prevention of myocardial infarction. Curr Opin Cardiol. 2006 Sep;21(5):503-9. doi: 10.1097/01.hco.0000240589.99215.6d. PMID: 16900015.

Yusuf S, Lessem J, Jha P, Lonn E. Primary and secondary prevention of myocardial infarction and strokes: an update of randomly allocated, controlled trials. J Hypertens Suppl. 1993 Jun;11(4):S61-73. PMID: 8104243.

Arnett DK, Blumenthal RS, Albert MA, Buroker AB, Goldberger ZD, Hahn EJ, Himmelfarb CD, Khera A, Lloyd-Jones D, McEvoy JW, Michos ED, Miedema MD, Muñoz D, Smith SC Jr, Virani SS, Williams KA Sr, Yeboah J, Ziaeian B. 2019 ACC/AHA Guideline on the Primary Prevention of Cardiovascular Disease: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Clinical Practice Guidelines. Circulation. 2019 Sep 10;140(11):e596-e646. doi: 10.1161/CIR.0000000000000678. Epub 2019 Mar 17. Erratum in: Circulation. 2019 Sep 10;140(11):e649-e650. Erratum in: Circulation. 2020 Jan 28;141(4):e60. Erratum in: Circulation. 2020 Apr 21;141(16):e774. PMID: 30879355; PMCID: PMC7734661.

Caldwell M, Martinez L, Foster JG, Sherling D, Hennekens CH. Prospects for the Primary Prevention of Myocardial Infarction and Stroke. J Cardiovasc Pharmacol Ther. 2019 May;24(3):207-214. doi: 10.1177/1074248418817344. Epub 2018 Dec 18. PMID: 30563358.

“Du willst ein persönliches, individuell auf Dich zugeschnittenes Herzcoaching?“

Du hast einen Herzinfarkt erlitten oder die Diagnose einer koronaren Herzerkrankung erhalten? Lerne mit Dr. Heart alles, was Du jetzt wissen musst!

mehr erfahren!

Disclaimer

Die Vermittlung von Gesundheitsinformationen ist mit einer besonderen Verantwortung verbunden, der ich mir bewusst bin. Daher prüfe und aktualisiere ich die Inhalte und Empfehlungen kontinuierlich. Eine Garantie für Vollständigkeit, Korrektheit und letztendliche Aktualität kann ich jedoch nicht übernehmen. Wir haften daher nicht für eventuelle Schäden, die mit der Verwendung oder einem Missbrauch meiner veröffentlichten Inhalte entstehen. Zum Teil wird in den dargebotenen Beiträgen meine persönliche Meinung dargelegt, die ggf. auch von medizinischen Leitlinien oder Empfehlungen durch Fachgesellschaften abweichen kann. Hinweise zu Medikamenten oder Medizinprodukten sind keine Anleitung zur Selbstmedikation. Die auf der Dr. Heart Webseite dargebotenen Informationen dürfen nicht dazu verwendet werden, eine ärztliche Behandlung eigenständig zu beginnen, zu verändern oder zu beenden, hier ist in jedem Fall ihr Arzt zu konsultieren. Dr. S. Waller und Mitarbeiter sind unter keinen Umständen für Schäden haftbar zu machen, die sich aus der Nutzung der dargebotenen Informationen ergeben könnten. Es ist nicht beabsichtigt, mit diesem Haftungsausschluss gegen geltendes nationales Recht zu verstoßen. Die Informationen auf dr-heart.de ersetzen nicht Ihren persönlichen Arztbesuch, bei entsprechenden gesundheitlichen Problemen ist in jedem Fall ihr Arzt aufzusuchen, der eine korrekte Diagnose stellen und ggf. eine passende Therapie einleiten kann.

Sie können unseren Newsletter jederzeit abbestellen, indem Sie auf den Link in der Fußzeile unserer E-Mails klicken. Für weitere Informationen über unsere Datenschutzpraktiken besuchen Sie bitte unsere Datenschutz-Seite

Wir verwenden Mailchimp als unsere Marketing-Plattform. Wenn Sie auf “Anmelden” klicken, erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten zur Verarbeitung an Mailchimp übermittelt werden. Weitere Informationen über die Datenschutzpraktiken von Mailchimp finden Sie hier