Yoga und Herz

Welche Wirkungen hat der meditative Sport auf unser Herz-Kreislaufsystem? Kann Yoga den Blutdruck senken, die Fettwerte verbessern?

Liebe LeserInnen,

Yoga¬†war ja bei uns in der westlichen Welt vor einigen Jahrzehnten noch kaum bekannt und wurde lange Zeit auch von vielen eher in die ‚ÄěEsoterikecke‚Äú gesteckt. Mittlerweile gibt es aber immer mehr Hinweise und Untersuchungen, dass¬†Yoga¬†uns effektiv helfen kann, unsere¬†Gesundheit und unser allgemeines Wohlbefinden zu verbessern. Insbesondere soll die entspannende und muskelkr√§ftigende Wirkung der Yogapraxis positive Einfl√ľsse auf unser Herz-Kreislauf-System haben. Und so ist¬†Yoga¬†mittlerweile auch bei uns zu einer echten ‚ÄěMassenbewegung‚Äú geworden. Man sch√§tzt, dass¬†weltweit gesch√§tzte 30 Millionen Menschen¬†die ausgleichende und entspannende Wirkung von¬†Yoga quasi als Gegengewicht zu unserem immer stressigeren Alltag mit Handy und st√§ndiger Erreichbarkeit nutzen ‚Äď in der Hoffnung, ihre k√∂rperliche und geistige Gesundheit zu verbessern.

Neben den schon gut bekannten und offensichtlichen Effekten von¬†Yoga¬†wie der¬†Verbesserung unserer K√∂rperhaltung und unserer Beweglichkeit,¬†bis wir uns in die verr√ľcktesten K√∂rperposen, sog. Asanas, verbiegen k√∂nnen, soll¬†Yoga¬†verschiedenste weitere beeindruckende Effekte auf unsere Gesundheit haben, die meist in kleineren Studien nachgewiesen wurden. So soll¬†Yoga¬†vor¬†Migr√§ne-Anf√§llen¬†sch√ľtzen, unser¬†sexuelles Verlangen und unsere ‚ÄěPerformance‚Äú im Bett verbessern, f√ľr eine¬†bessere Schlafqualit√§t¬†bei Menschen mit Schlafst√∂rungen sorgen und uns sogar vor¬†Herzrhythmusst√∂rungen¬†wie dem Vorhofflimmern sch√ľtzen.

Aber kann Yoga auch beinharte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Insulinresistenz und unseren Stoffwechsel relevant beeinflussen?!

Tats√§chlich konnte in vielen Untersuchungen gezeigt werden, dass¬†Yoga¬†einen positiven Einfluss auf wichtige, insbesondere¬†psychologische¬†Risikofaktoren, wie z.B.¬†Stress oder Depressionen¬†hat, und Stress und Depressionen stellen ja bei uns heute zwei der gr√∂√üten Gesundheitsprobleme √ľberhaupt dar. Daher werden in Deutschland die¬†Kosten f√ľr Yogakurse¬†von den Krankenkassen im Rahmen der Pr√§vention, also der Gesundheitsvorsorge,¬†ganz oder teilweise erstattet.

Allerdings wird¬†Yoga¬†derzeit z.B. von der AHA, der American Heart Association, nicht zu den empfohlenen 150 Minuten moderaten Sports pro Woche gez√§hlt, da die Herzfrequenz oftmals nicht ausreichend ansteigt, was allerdings nat√ľrlich auch von der Art des Yogas abh√§ngig ist, was jeder wei√ü, der wie ich schon einmal eine schwitzige ‚Äěhot-Yoga‚Äú-Session mitgemacht hat.

Aber nicht nur psychologische Risikofaktoren wie Stress und Depression sollen durch regelm√§√üige¬†Yoga-Praxis g√ľnstig beeinflusst werden,¬†auch biologische Risikofaktoren wie Blutdruck, K√∂rpergewicht und Fettstoffwechsel werden verbessert, wenngleich die Studienlage hierzu aufgrund von M√§ngeln bzw. Fehlern in vielen der h√§ufig recht kleinen Untersuchungen etwas mit Vorsicht zu genie√üen ist.

In einer großen Metaanalyse, also einer Analyse mehrerer Studien zu diesem Thema, konnte durch regelmäßige Yogapraxis der systolische Blutdruck um knapp 6, der diastolische Blutdruck um gute 4 mmHg und der Puls um knapp 7 Schläge/Minute gesenkt werden. Klingt erstmal nicht berauschend, ist es aber, denn wir wissen ja, dass beim Blutdruck bereits kleine dauerhafte Veränderungen große Wirkung haben können.

Dar√ľber hinaus¬†reduziert regelm√§√üiges¬†Yoga¬†den Bauchumfang (-1,95 cm), verbessert die Zusammensetzung unserer¬†Blutfette¬†sowie den¬†Langzeitblutzuckermarker HbA1c¬†und die¬†Insulinresistenz, sprich unsere Zellen reagieren wieder besser auf Insulin, was uns vor der Ausbildung eines¬†Diabetes¬†sch√ľtzt.

Vor kurzem wurde sogar eine Studie in einem anerkannten kardiologischen Fachjournal (JACC) ver√∂ffentlicht, die zeigen konnte, dass innerhalb von nur 3 Monaten Yogapraxis mit zwei 60-min√ľtigen Yogasessions pro Woche Episoden von¬†Vorhofflimmern¬†halbiert wurden und gleichzeitig Beschwerden wie Angst und Depression effektiv vermindert wurden, sodass sich die Lebensqualit√§t der Probanden deutlich verbesserte.

Wie sind diese fantastischen Wirkungen von Yoga zu erklären?

Yoga ist ein hervorragendes Gegenmittel zu Stress und Hektik und kann somit unseren Körper und Geist optimal zur Ruhe kommen lassen.

Stress hingegen, das wissen wir ja bereits, kann f√ľr das Herz sehr gef√§hrlich sein. Denn die dabei ausgesch√ľtteten Stresshormone wirken nicht nur auf unsere Stimmung und unser psychisches Wohlbefinden, sondern sie entfalten auch auf Dauer ung√ľnstige Wirkungen an unserem Herz-Kreislauf-System. So steigt unser Blutdruck und die Pulsfrequenz und Herzrhythmusst√∂rungen werden beg√ľnstigt. Es ist sogar bekannt, dass¬†extremer Gef√ľhlsstress, wie z.B. der Todesfall eines geliebten Menschen, zu Herzinfarkt-√§hnlichen Beschwerden wie heftigem Brustschmerz und Luftnot und sogar einer gl√ľcklicherweise meist¬†vor√ľbergehenden Herzschw√§che¬†f√ľhren kann, ein Krankheitsbild, das dann passend als ‚ÄěBroken-Heart-Syndrom‚Äú bezeichnet wird.

Die meisten Studien haben allerdings die Gesundheit von Yoga-Begeisterten im Vergleich zu Couch-Potatoes, also mit Bedingungen unter Bewegungsmangel verglichen.¬†Yoga¬†scheint nach aktuellem Stand der Dinge¬†gegen√ľber dem gew√∂hnlicherweise empfohlenen Sport jedoch keine sicheren zus√§tzlichen oder st√§rkeren Vorteile zu haben¬†‚Äď wer sich also mit¬†Yoga¬†gar nicht anfreunden kann, der darf daher ruhigen Gewissens auch andere Sportarten betreiben, um sein Herz fit zu halten.

Wer sich aber auf die¬†Yoga√ľbungen einlassen kann, dem bietet regelm√§√üig praktiziertes¬†Yoga¬†ein¬†ideales Entspannungstraining¬†auch zus√§tzlich zum Sport. Und ist unser K√∂rper und unser Geist erstmal grundentspannt, egal ob durch Sport,¬†Yoga¬†oder bestenfalls sogar beides, dann, und das kennen wir alle, sind wir deutlich weniger bereit uns auf Stress einzulassen, also quasi resistenter gegen√ľber unserem Alltagsstress.

Liebe LeserInnen, wir fassen zusammen:

Insgesamt betrachtet scheint¬†Yoga¬†eine sehr kosteneffektive Pr√§ventionsstrategie zu sein, die man ohne teure Technik oder irgendwelche Hilfsmittel¬†unkompliziert √ľberall und jederzeit ohne fremde Hilfe¬†durchf√ľhren kann, und die vielen Menschen¬†innere Ruhe, Ausgeglichenheit und Lebensfreude¬†schenkt, die nicht nur unsere Lebensqualit√§t insgesamt bereichert, sondern auch eine ganze Reihe positiver Effekte auf unsere Herz-Kreislauf-Risikofaktoren hat.

Yoga¬†in seiner urspr√ľnglichen und umfassenden Form ist nat√ľrlich au√üerhalb des Sportstudios √ľber die reinen K√∂rper√ľbungen hinausgehend vielmehr eine Lebensweise die v.a. auch eine achtsame Lebenseinstellung und positive geistige Grundeinstellungen wie Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft kultiviert. Und diese positiven Grundeinstellungen geh√∂ren mit zum Besten, was wir f√ľr unser Lebensgl√ľck und unser Herz tun k√∂nnen!

Literatur

http://www.heart.org/HEARTORG/HealthyLiving/PhysicalActivity/FitnessBasics/Yoga_UCM_462356_Article.jsp abgerufen am 08.09.2017

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