Stents – Wem nutzen sie wirklich? Die FFR-Technik

Wann ist ein Stent wirklich notwendig? Die FFR-Technik kann hier Klarheit schaffen!

Im Herzinfarkt ein oftmals lebensrettender Segen, außerhalb der Notfallsituation ist die Frage, wer wirklich von einer Stentimplantation in die Herzkranzarterien profitiert weit weniger klar.

Laut Deutschem Herzbericht wurden¬†im Jahr 2015 √ľber 300.000 sog. perkutane Koronarinterventionen¬†durchgef√ľhrt, sprich verengte Herzkranzarterien im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung mit einem kleinen Ballon aufgeweitet und mit einem Stent stabilisiert. Im Rahmen eines Herzinfarktes, wenn eine Herzkranzarterie also pl√∂tzlich verstopft und verschlossen ist, ist dies eine sehr segensreiche Technik, mit der Leben oder zumindest Lebensqualit√§t gerettet wird, indem sie den Herzinfarktpatienten vor Tod oder nachfolgender Herzschw√§che bewahren. Allerdings stellen diese notfallm√§√üig im Herzinfarkt durchgef√ľhrten Herzkatheteruntersuchungen insgesamt gesehen nur einen minimalen Anteil der Gesamtzahl aller durchgef√ľhrten Herzkatheteruntersuchungen dar. Das ‚ÄěTagesgesch√§ft‚Äú stellen Routine-Herzkatheteruntersuchungen dar, sprich Patienten mit verd√§chtigen Beschwerden werden auf das Vorhandensein einer Koronaren Herzkrankheit untersucht oder Patienten mit bereits bekannter Koronarer Herzkrankheit haben wieder zunehmend Beschwerden wie Brustschmerz und man will nun wissen, ob hierf√ľr neue oder zunehmende Verengungen an den Herzkranzarterien verantwortlich zu machen sind.

Findet man dann eine derartige, hochgradige Einengung einer gro√üen Herzkranzarterie vor ist der Fall meist klar und die Engstelle, die Stenose, wird wie besprochen aufgedehnt und mit einem Stent versorgt. Oftmals ist die Situation aber leider nicht so eindeutig und dann hat man als untersuchender Kardiologe h√§ufig ein Problem. Findet man n√§mlich Engstellen/Stenosen vor, die auf den ersten Blick weder Fisch noch Fleisch sind, kann man oft nicht so einfach vom Anblick her wirklich sicher sein, ob denn diese Verengung auch zu einer f√ľr den Patienten sp√ľrbaren Einschr√§nkung der Durchblutung f√ľhrt bzw. ob diese Engstelle wirklich f√ľr die geschilderten Beschwerden verantwortlich ist und eine Aufdehnung dieser Engstelle daher tats√§chlich eine Beschwerdelinderung bringt.

Nun k√∂nnte man sagen, egal, ‚Äěin dubio pro reo‚Äú, gehen wir auf Nummer sicher und implantieren einen Stent. Problem dabei ist aber, neben den nicht unerheblichen Kosten, dass nat√ľrlich eine Stentimplantation, wie jeder medizinische Eingriff, ein gewisses Risiko mit sich bringt, wie z.B. eine Verletzung der Herzkranzarterie, auch wenn dies relativ selten vorkommt. Daneben stellt ein Stent auch einen Fremdk√∂rper dar, der Blutgerinnungsprozesse ausl√∂st, was eine versch√§rfte Blutverd√ľnnung erfordert und trotzdem kann es in seltenen F√§llen zu einer gef√ľrchteten Stentthrombose, also einer Gerinnselbidung im Bereich des eingesetzten Stents mit resultierendem Herzinfarkt kommen. Aus diesen und weiteren Gr√ľnden¬†sollte ein Stent also nur dann eingesetzt werden, wenn er wirklich indiziert ist, sprich die Beschwerden des Patienten lindern und die Durchblutungssituation entscheidend verbessern kann.

Fr√ľher lag diese oftmals schwere Entscheidung allein beim untersuchenden Kardiologen (bzw. dem hinzugezogenen ‚Äěrangh√∂chsten‚Äú Kollegen) mit der Folge, dass sicherlich auch viele Stents implantiert worden sind, die dem Patienten nicht genutzt, aus o.g. Gr√ľnden vielleicht sogar geschadet haben.

Die¬†FFR-Technik¬†hat hier eine entscheidende Trendwende gebracht. FFR steht f√ľr¬†‚Äěfunktionelle Flussreserve‚Äú¬†und ist ein hervorragendes Verfahren mit dem objektiv festgestellt werden kann, ob eine Verengung einer Herzkranzarterie tats√§chlich eine relevante Verminderung der Durchblutung bewirkt oder vielleicht einfach nur ‚Äěschlimmer‚Äú aussieht als sie wirklich ist. Dies wird erreicht durch eine Messung des Blutdruckes vor und hinter der Verengung der Herzkranzarterie. Dabei wird √ľber den in der Herzkranzarterie liegenden Herzkatheter ein solcher d√ľnner Metalldraht, an dessen Ende sich ein winziger Druckabnehmer befindet, durch die zu untersuchende Engstelle geschoben und schlie√ülich der Druckabfall hinter dieser Engstelle bestimmt. F√§llt der mit diesem ‚ÄěDruckdraht‚Äú gemessene Blutdruck in der Herzkranzarterie hinter der Engstelle um¬†√ľber 20%¬†ab, dann wird davon ausgegangen, dass diese Engstelle ‚Äěrelevant‚Äú ist und einer Behandlung mittels Aufdehnung und Stentimplantation bedarf.

Seit in den sog.¬†FAME-Studien¬†(FAME 2009 und FAME-II 2013) nachgewiesen wurde, dass ein durch diese ‚ÄěDruckdraht-Technik‚Äú-gesteuertes Vorgehen nicht nur die Zahl der eingesetzten Stents um 30% reduzieren konnte, sondern auch schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkte oder erneut notwendige Eingriffe deutlich gesenkt werden konnten und daher sogar wirtschaftlich ist, stellt dieses Verfahren den heutigen Standard vor Implantation eines Stents dar.

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