Cholesterin – Einführung

„Cholesterin“ ist ja ein gesamtgesellschaftliches „Reizthema“. Über kaum etwas können die Menschen hierzulande so in Rage geraten wie über das Thema Cholesterin, Cholesterinsenker und die vermeintlich „profitgeile“ Pharmaindustrie, die sich über die angeblich selbsterfundene „Cholesterinlüge“ satte Gewinne einfahren will. In unserem ureigensten Interesse sollten wir versuchen uns diesem Reizthema möglichst sachlich und unvoreingenommen zu nähern.

Im folgenden gebe ich Ihnen eine Übersicht, was es mit dem Stoff Cholesterin auf sich hat, was Sie zu „gutem und schlechten Cholesterin” (HDL und LDL) wissen müssen und wann der Cholesterinspiegel zum Problem wird. Darüber hinaus finden Sie Tipps, wie Sie den „bad boy“ LDL-Cholesterin in den Griff bekommen und wie man den „Robin Hood der Gefäße“, das HDL-Cholesterin ggf. erhöhen kann.

Schauen wir uns die Fakten und Zusammenhänge also mal ganz in Ruhe an…

Cholesterin – Definition und Beschreibung

Was ist Cholesterin?

Das Wort „Cholesterin“ leitet sich ab aus dem griechischen „chole“ für Galle und „stereos“ für fest, hart. Der Stoff wurde zuerst in Gallensteinen entdeckt und bekam dadurch seinen Namen. Heute weiß man, dass Cholesterin in jeder menschlichen Zelle vorkommt, denn die fettähnliche Substanz ist extrem wichtig für den Aufbau sämtlicher unserer Zellmembranen und für die Begrenzung und die Kommunikation der Zellen untereinander.

Darüber hinaus ist Cholesterin notwendig für die Bildung zahlreicher unserer Hormone, wie z.B. den Sexualhormonen, der Herstellung von Gallensäuren, die wichtig sind für unsere Fettverdauung und für die Bildung von Vitaminen, wie dem Vitamin D, das unter anderem für die Knochengesundheit und Immunsystem eine entscheidende Rolle spielt. Auch unser Gehirn und unsere Nerven könnten ohne Cholesterin nicht funktionieren, da das Cholesterin die elektrische Leitfähigkeit entscheidend verbessert.

Cholesterin ist also zunächst einmal als solches keine Erkrankung, sondern ein lebenswichtiger „Baustoff“, ohne den unser Körper nicht existieren und wir nicht leben könnten. Cholesterin ist aber eben nicht gleich Cholesterin. Für unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit ist vor allem das Cholesterin entscheidend, das in unserem Blut herum schwimmt. Kritisch wird es ggf. erst dann wenn die Cholesterinwerte in unserem Blut zu hoch sind.

Wer oder was bildet Cholesterin?

Der Körper benötigt jeden Tag etwa ein halbes bis ein Gramm Cholesterin. Diese Menge wird von unserem Körper größtenteils selbst gebildet, denn jede einzelne Zelle kann Cholesterin produzieren. Der aktivste Cholesterin-Produzent unter allen Organen ist allerdings die Leber. Nur etwa ein Viertel der Cholesterin-Menge, die dem Körper täglich zur Verfügung steht, stammt aus der Nahrung. Dadurch kann man über die Ernährung immerhin einen begrenzten Einfluss auf den Cholesterinspiegel nehmen. Auf der anderen Seite erklärt sich hieraus aber auch, dass niedrige LDL-Cholesterinzielwerte durch eine alleinige Umstellung der Ernährung (die aber neben der reinen Cholesterinsenkung noch viele andere positive Gesundheitseffekte hat) oftmals nicht erreicht werden und somit zusätzlich zu einer Verbesserung von Ernährung und Lebensstil oftmals cholesterinsenkende Medikamente notwendig sein können. Der Einfluss der Ernährung auf den Cholesterinspiegel ist allerdings von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und hängt unter anderem auch davon ab wie die Ernährung vor der Ernährungsumstellung ausgesehen hat und wie streng die Ernährungsumstellung erfolgt.

Was versteht man unter dem Cholesterinspiegel?

Der Cholesterinspiegel gibt die Gesamtmenge an Cholesterin im Blut an. Dies kann noch unterteilt werden in das Gesamt-Cholesterin, das HDL- und das LDL-Cholesterin. Man spricht häufig auch allgemeiner von den Blutfetten oder Blutfettwerten. Neben den Cholesterinen gehören hier v.a. auch noch die Triglyzeride dazu. Zum Thema Lipoprotein(a), ein weiterer Vertreter der Blutfette, der aufgrund seiner besonders ungünstigen Wirkung auf die Blutgefäße als „Turbo der Arterienverkalkung“ bezeichnet wird, können Sie hier mehr erfahren.

Verschiedene Arten von Cholesterin

Für die Bewertung des Herz-Kreislauf-Risikos spielen vor allem zwei Hauptformen des Cholesterins eine Rolle: Das LDL- und das HDL-Cholesterin (siehe Video-Clip weiter oben). Das LDL-Cholesterin gilt allgemeinverständlich als das „schlechte (oder böse)“, das HDL-Cholesterin als das „gute“ Cholesterin.
Damit Cholesterin als eine fettige Substanz durch das wasserhaltige Blut transportiert werden kann, braucht es ein Transportmittel. Diese Transportmittel werden als Lipoproteine bezeichnet. Sie sind eine Mischform aus einem Eiweiß (Protein), das die Transportfunktion übernimmt, und dem Cholesterin, das zu den fettähnlichen Substanzen gehört, also ein Lipid darstellt. Nach dem Eiweißgehalt und der Art des Eiweißes in Relation zu der Menge des transportierten Cholesterins unterschieden sich diese „Lipoproteine“ in ihrer Dichte. Das LDL-Cholesterin hat eine geringe Dichte und wird daher als „low density lipoprotein“ bezeichnet und vom Cholesterin mit hoher Dichte, da größerem Eiweißanteil, dem „high-density lipoprotein“, dem HDL, unterschieden.

Was bedeutet „schlechtes“ LDL-Cholesterin?

Aufgabe des LDL-Cholesterins („low density lipoprotein“) ist es, das Cholesterin, das in der Leber gebildet wurde, zu allen anderen Körperzellen zu transportieren, sie also mit Cholesterin zu versorgen. Das meiste Cholesterin, das sich im Blut befindet, wird vom LDL transportiert.

Es gilt deshalb als „böse“, weil zahlreiche Studien zeigen konnten, dass ein höherer LDL-Cholesterinspiegel mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose und koronare Herzkrankheiten verbunden ist. Das LDL-Cholesterin versorgt nämlich nicht nur die Körperzellen mit Cholesterin, sondern lagert sich leider auch in unsere Gefäßwände ein, wird dort oxidiert und führt schließlich über einen entzündlichen Prozess zur Arteriosklerose, der „Arterienverkalkung“. Sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine schützen unsere Lipoproteine dagegen vor Oxidation, daher ist auch dies einer der vielen Ansatzpunkt einer „herzfreundlichen“ Ernährung.

Was bedeutet „gutes“ HDL-Cholesterin?

Das „gute“ HDL („high density lipoprotein“) ist sozusagen für den umgekehrten Transport zuständig: Es transportiert Cholesterin aus dem gesamten Körper, also von dort, wo es das LDL vorher abgeladen hat, zur Leber zurück. Dort wird das Cholesterin dann in Gallensäuren umgewandelt und über die Galle ausgeschieden. HDL ist also wichtig, um den Cholesterinhaushalt auszubalancieren, denn ist zu wenig HDL vorhanden, ist die Ausscheidung des Cholesterins gestört und es häuft sich im Körper an. Man könnte das HDL-Cholesterin also als den „Robin-Hood“, den Gegenspieler des LDL-Cholesterins bezeichnen, da es das Risiko für koronare Herzerkrankungen und Arteriosklerose senken kann. Neuere Studien haben nun allerdings den schützenden Effekt des HDL-Cholesterins etwas in Frage stellen müssen, die beschriebene Schutzwirkung scheint vornehmlich für gesunde Menschen, nicht jedoch unbedingt für Patienten mit Zuckererkrankung oder Koronarer Herzerkrankung zu bestehen, da bei diesen Patienten aus bislang noch nicht genau geklärter Ursache das HDL-Cholesterin seine schützende Wirkung zu verlieren scheint.
Für Patienten vereinfacht dieser Umstand allerdings die Cholesterinkontrolle, da sie sich vollends auf das LDL-Cholesterin und das Erreichen der entsprechenden Zielwerte konzentrieren können.

Ursachen erhöhter Cholesterinspiegel

Sind die Cholesterinwerte erhöht, liegt dies meist an einer Kombination aus den eigenen Genen und verschiedenen Umweltfaktoren. Zu den (beeinflussbaren!) Umweltfaktoren zählen hierbei vor allem die Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel aber auch Stress. Auch zahlreiche Erkrankungen können einen negativen Einfluss auf den Cholesterinspiegel haben. Dazu gehören z.B. Diabetes mellitus, bestimmte Nierenerkrankungen, eine Schilddrüsenunterfunktion, Magersucht oder Alkoholismus. Medikamente wie z.B. Cortison oder Beta-Blocker können das Cholesterin im Blut ebenfalls erhöhen.

Seltener wird der erhöhte Cholesterinspiegel im Blut durch ein einzelnes defektes Gen verursacht. Ein Beispiel hierfür ist die sog. familiäre Hypercholesterinämie. Bei dieser Erkrankung ist das Cholesterin oft massiv erhöht (650 – 1000 mg/dl) und es treten bereits in jungen Jahren gesundheitliche Probleme auf, die auf eine extrem beschleunigte Arteriosklerose, also eine rapide voranschreitende Verengung und Verkalkung der Arterien der betroffenen Patienten zurückzuführen sind. Das Risiko für einen Herzinfarkt ist (in besonders schweren Fällen, der sog. homozygoten Form, sprich beide Genorte sind von der Mutation betroffen) bereits im Kindesalter deutlich erhöht.

Die Ernährung als Umweltfaktor hat eine bedeutsame Wirkung auf den Cholesterinspiegel, allerdings unterscheidet sich hierbei das Ausmaß in dem durch eine Umstellung der Ernährung eine Beeinflussung des Cholesterinspiegels erreicht werden kann, von Mensch zu Mensch deutlich, insbesondere auch abhängig davon, wie sich der Mensch zuvor ernährt hat. Bei manchen hat das Cholesterin aus der Nahrung einen enormen Einfluss auf das Cholesterin im Blut. Dies biete die Chance mit der richtigen Ernährung auch das eigene Herz-Kreislauf-Risiko deutlich zu senken. Mehr Informationen hierzu finden Sie hier.

Stresshormone wie z.B. das körpereigene Cortisol, aber auch das über Medikamente von außen zugeführte Cortison (Prednison, Dexamethason etc.) können das „schlechte“ LDL-Cholesterin ebenfalls erhöhen. Andere Hormone wie z.B. das Schilddrüsenhormon Thyroxin verringern dagegen die körpereigene Cholesterinproduktion. Wenn zu wenig von diesem Hormon vorhanden ist, z.B. bei einer Schilddrüsenunterfunktion, kann es daher zu einem erhöhten Cholesterinspiegel kommen.

Diagnose erhöhter Cholesterinspiegel

Wer misst Cholesterin?

Den Cholesterinwert kann man beim Hausarzt oder auch beim Kardiologen über eine Blutabnahme überprüfen lassen. Der Hausarzt führt die Messung des Cholesterins auch regulär im Rahmen des sogenannten Check-up-35 durch, der Vorsorgeuntersuchung, die man ab 35 alle zwei Jahre kostenfrei in Anspruch nehmen kann. Mittlerweile bieten auch viele Apotheken einen Cholesterin-Soforttest an, der mit nur einem Bluttropfen funktioniert.

Bei der Messung des Cholesterinspiegels werden das Gesamtcholesterin sowie die HDL- und die LDL-Werte bestimmt. Die Einheit ist Milligramm pro Deziliter (mg/dl) bzw. Millimol/Liter (mmol/l).

Da erhöhte Cholesterinwerte und vor allem die Frage ob diese bereits behandlungsbedürftig sind immer in Zusammenschau des gesamten Risikoprofils (also der Anzahl und Schwere bereits vorhandener Risikofaktoren für die Arteriosklerose wie Rauchen, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck etc.) eines Menschen betrachtet werden sollten ist es oftmals sinnvoll zusätzlich zur Blutprobe noch weitere Untersuchungen durchzuführen. Hierzu gehören neben regelmäßigen Blutdruckmessungen z.B. auch der Blutzuckerspiegel, bzw. der Langzeitzuckerwert HbaA1c bis hin zu Untersuchungen, die eine bereits vorhandene Arteriosklerose, z.B. an den Halsschlagadern oder der Hauptschlagader im Bauchraum mit Ultraschalltechnik sichtbar machen können.

Wann ist das Cholesterin zu hoch?

Wichtig ist Cholesterinwerte nicht isoliert zu interpretieren, sondern unter Würdigung des gesamten Herz-Kreislauf-Risikos eines Menschen. Deshalb gibt es je nach Vorhandensein weiterer Risikofaktoren für die Arteriosklerose (wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Nierenschwäche, Übergewicht, Rauchen etc.) bzw. sogar schon vorhandener durch Arteriosklerose bedingter Erkrankungen wie der Koronaren Herzkrankheit, der Schaufensterkrankheit (paVK) und vielen weiteren, auch unterschiedlich strenge Grenzwerte für das LDL-Cholesterin:

  • Sehr hohes Risiko (z.B. vorhandene KHK): LDL-Cholesterin < 1,8 mmol/l (< 70 mg/dl) oder eine > 50% Reduktion des LDL-Cholesterin-Ausgangswertes
  • Hohes Risiko: LDL < 2,5 mmol/l (< 100 mg/dl)
  • niedriges und mittleres Risiko: LDL < 3 mmol/l (< 115 mg/dl)

Je mehr Risikofaktoren vorliegen, desto strenger sollte das LDL-Cholesterin also eingestellt werden, da dies dann ein besonders stark erhöhtes Risiko für Arteriosklerose und deren Folgeerkrankungen, wie Herzinfarkt, Schlaganfall, paVK etc. darstellt.

Generell gilt aber beim LDL: Je niedriger desto besser (anders als z.B. beim Blutdruck). Hochrisikopatienten, also solche Patienten, die beispielsweise schon an einer koronaren Herzerkrankung oder einer Zuckerkrankheit leiden, sollten entsprechend auf einen Wert unter 70 mg/dl (< 1,8 mmol/l) eingestellt werden. Gesunde, d.h. Menschen ohne Erkrankungen und Risikofaktoren, können sich noch einen Wert von unter 115 mg/dl „erlauben“, aber auch hier gilt: Je niedriger das LDL, desto kleiner das Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung. Möglicherweise werden die LDL-Cholesterin-Zielwerte in Zukunft noch weiter nach unten korrigiert werden.

Wann ist das Cholesterin zu niedrig?

Ein zu niedriger Cholesterinwert bezieht sich meistens auf das „gute“ HDL-Cholesterin, denn beim LDL gibt es eigentlich kein „zu niedrig“. Allerdings kann ein sehr niedriger Cholesterinwert auch ein Hinweis auf eine schwerwiegende Erkrankung wie z.B. einen Leberschaden, Krebs oder Morbus Crohn sein.

Das HDL als das „gute“ Cholesterin sollte für alle Risikogruppen mindestens bei 40 mg/dl (Männer) bzw. 48 mg/dl liegen. Einen oberen Grenzwert gibt es praktisch nicht, hier gilt also: Je mehr desto besser!

Hohe HDL-Werte schützen vor den gefährlichen Ablagerungen in den Gefäßen. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die LDL-Werte niedrig sind. Hohe HDL-Werte können hohe LDL-Werte also nicht kompensieren. Neuere Studien zeigen ausserdem auch, dass die Schutzwirkung des HDLs nicht unbedingt für Menschen mit Diabetes oder koronarer Herzerkrankung besteht. Ausschlaggebend für das kardiovaskuläre Risiko, insbesondere bei diesen Hochrisikopatienten, ist also vor allem das LDL-Cholesterin im Blut.

Zu hohes Cholesterin – Therapie

Was tun bei zu hohem Cholesterin?

Wichtig ist zunächst, seine Cholesterinwerte ernst zu nehmen und nicht Jahre lang zu verdrängen und „verlaufszukontrollieren“. Eine gute Betreuung durch Ihren Arzt – den Hausarzt oder den Kardiologen – sollte sichergestellt sein. Ein erster Ansatz ist, in Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt zunächst eine konsequente Verbesserung Ihres Lebensstils in Angriff zu nehmen, um Ihre Gesamtrisiko zu senken. Hierzu gehört u.a. auf die richtige Ernährung und auf ausreichend Bewegung zu achten. Machen Sie einen Termin bei der Ernährungsberatung und achten Sie auf ausreichend Sport und Bewegung im Alltag. Sollte dies nicht helfen, können Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden. Bei vielen Erkrankungen insbesondere wenn bereits Arteriosklerose nachgewiesen ist, wie z.B. bei der Koronaren Herzkrankheit, sind neben der immer im Mittelpunkt stehenden Verbesserung des Lebensstils cholesterinsenkende Medikamente, in aller Regel die Statine, sogar unabhängig vom LDL-Wert, allein schon aufgrund ihrer sog. plaquestabilisierenden Wirkung angezeigt. Mehr Informationen finden Sie hier.

Was senkt Cholesterin natürlich?

„Natürliche“ Cholesterinsenker sind wie bereits angesprochen vor allem „Lebensstilmaßnahmen“, also Änderungen des Lebensstils, die oftmals auch ohne Medikamente den Cholesterinspiegel wieder normalisieren können. Sie sollten natürlich prinzipiell grundsätzlich (auch ohne erhöhte Cholesterinwerte) zum Einsatz kommen. Insbesondere bei nur moderat erhöhten Cholesterinwerten und bei geringem Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung kann durch Lebensstilmaßnahmen durchaus oftmals eine Arzneimitteltherapie vermieden werden, wenn die Werte ausreichend abgesenkt werden können. Im Fall eines stark erhöhten Herz-Kreislauf-Risikos, bei dem ein LDL-Wert von unter 70 mg/dl erforderlich ist, müssen (auch aufgrund der o.g. plaquestabilisierenden Wirkung) von vornherein cholesterinsenkende Medikamente, in aller Regel Statine, eingesetzt werden, um das stark erhöhte Herz-Kreislauf-Risiko eindämmen und ein Voranschreiten der Arteriosklerose aufhalten zu können und z.B. einen weiteren Herzinfarkt zu vermeiden. Aber auch hier ist natürlich eine cholesterinsenkende Behandlung nur ein Aspekt im Rahmen eines umfassenden Behandlungsplanes in dessen Mittelpunkt, wie schon angemerkt, eine Optimierung sämtlicher Risikofaktoren der Arteriosklerose steht.

Zu den natürlichen Cholesterinsenkern gehört zunächst einmal regelmäßige Bewegung, z.B. ein täglicher flotter Spaziergang. Noch besser ist allerdings zusätzlicher Ausdauersport, bei dem man leicht ins Schwitzen kommt. Positiv für den Cholesterinspiegel sind mindestens 30 Minuten an drei – fünf Tagen in der Woche Joggen, Walken oder Radfahren. Durch den Sport wird insbesondere auch das „gute“ HDL-Cholesterin angehoben, der „Robin-Hood“ für die Gefäße, und zwar um ganze 5-10 Prozent.

Darüber hinaus lohnt sich eine Normalisierung des Körpergewichts. Insbesondere die sogenannte „Apfelform“ der Fettsucht (Adipositas), bei der die Fettpolster in Form eines „schönen Ranzens“ vor allem am Bauch hängen, gelten als besonders kritisch für den Cholesterinspiegel und die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Vereinfacht gesagt ist es so, dass das Fettgewebe im Bauchraum einen verstärkten Fettfluss in die Blutbahn bewirkt und darüber hinaus wie eine Hormondrüse arbeitet, die Botenstoffe absondert, die unseren Stoffwechsel ungünstig beeinflussen und z.B. auch Entzündungsreaktionen in unserem Körper anheizen.

Selbstverständlich gehört auch ein Verzicht auf Nikotin bzw. das Rauchen und eine Verminderung des Alkoholkonsums zu den sinnvollen Maßnahmen, um die Cholesterinwerte in den Griff zu bekommen und das Gesamtrisiko wirksam zu vermindern.

Was darf man essen bei zu hohem Cholesterin?

Wie bei den Lebensstilmaßnahmen schon angesprochen, spielt auch eine cholesterinsenkende Ernährung eine entscheidende Rolle. Hierbei ist es wichtig, dass die Ernährung nicht einfach nur cholesterinarm gestaltet wird. Sie sollte vielmehr ausgewogen sein und einen großen Anteil an Obst und Gemüse sowie ballaststoffreichen Lebensmitteln wie z.B. Vollkornprodukten enthalten. Insbesondere Hafer und Gerste enthalten bestimmte cholesterinsenkende Ballaststoffe. Sie machen sich in Flockenform gut im morgendlichen Müsli oder im Brot.

Besteht Übergewicht, sollte zusätzlich eine dauerhafte Gewichtsreduktion angestrebt werden. Wer dauerhaft 10 kg abnimmt, der kann sein LDL-Cholesterin um durchschnittlich 8 mg/dl senken.

Sehr wichtig ist auch, bestmöglich auf Zucker zu verzichten bzw. den Konsum von Zucker einzuschränken. Ein häufige Falle ist „versteckter“ Zucker in Fertiggerichten, Saucen, Getränken oder Desserts. Die Lebensmittelindustrie mengt fast allen ihren Erzeugnissen große Mengen Zucker bei. Hier hilft ein Blick auf die Nährwerttabelle und die Zutatenliste, den Sie sich von jetzt an zur Gewohnheit machen sollten.

Tierische Fette, z.B. aus Milchprodukten, Fleisch oder Wurstwaren enthalten vor allem ungünstige gesättigte Fettsäuren und sollten daher durch hochwertige pflanzliche Öle wie z.B. Oliven- oder Rapsöl ersetzt werden. Diese enthalten herzgesunde, mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Ebenfalls nicht zu empfehlen sind Produkte, die viele gehärtete Fette enthalten, denn die sogenannten Transfettsäuren, die in ihnen enthalten sind, tragen ebenfalls zur Arterienverkalkung bei und können das „schlechte“ LDL-Cholesterin erhöhen und das „gute“ HDL senken. Gehärtete Fette finden sich z.B. in manchen Margarinen und Bratfetten, in Backwaren und Fertiggerichten. Mehr Informationen zu den Transfetten, einem wirklichen „Arteriosklerose-Turbo“, finden Sie hier.

Wichtig ist es auch, auf eine ausreichende Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren zu achten. Hier sind insbesondere die beiden Fettsäuren EPA und DHA von Belang, die den Cholesterinwert senken können. Sie kommen in fettreichen Seefischen wie z.B. Lachs vor. Vegetarier können auf das Nahrungsergänzungsmittel Algenöl in Kapseln zurückgreifen.

Darüber hinaus ist es natürlich auch hilfreich, über die Ernährung nicht zu viel Cholesterin aufzunehmen. Der Zusammenhang „viel Cholesterin im Essen führt zu viel Cholesterin im Blut“ ist allerdings nicht immer gegeben. Für einige Menschen ist die Cholesterinaufnahme über die Ernährung tatsächlich irrelevant für ihr Blutcholesterin. Andere Menschen reagieren wiederum sehr sensibel auf ein Mehr oder Weniger von Cholesterin in ihrer Nahrung. Dass jeder Mensch individuell auf Cholesterin im Essen reagiert, liegt an verschiedenen Faktoren. Zum einen ist es vom Cholesterinspiegel einer Person abhängig, ob dieser durch ein zusätzliches Angebot aus der Nahrung ansteigt. Wer bereits einen hohen Spiegel mitbringt, der wird durch ein weiteres Frühstücksei kaum noch einen Anstieg sehen. Jemand mit einem nur moderat erhöhten Blutcholesterin dagegen schon eher. Des Weiteren kommen die individuellen Unterschiede unter anderem auch noch durch die unterschiedlichen Fähigkeiten des Darms, das Cholesterin aufzunehmen sowie durch die restliche Ernährung (viele Ballaststoffe? Viele Omega-3-Fettsäuren?) zustande. Daher sind also einfache pauschale Antworten, wie „der Cholesterinspiegel hängt überhaupt nicht mit der Ernährung zusammen!“ oder aber im Gegenteil „Cholesterinsenkende Medikamente nutzen doch nur der Pharmaindustrie, die Menschen sollten sich einfach nur besser ernähren!“ beide, wie so oft im Leben zwar griffig und schön einfach, aber eben leider nicht wahr…

Was enthält Cholesterin?

Wer auf seinen Cholesterinspiegel achten muss, sollte pro Tag nicht mehr als 300 mg Cholesterin zu sich nehmen. Cholesterinreiche Lebensmittel sind z.B. Leber mit 370 mg Cholesterin pro 100 g, der Klassiker das Frühstücksei mit 240 mg bei Größe M, oder Butter mit 220 mg Cholesterin. Generell enthalten sehr fettreiche tierische Produkte meist auch sehr viel Cholesterin. Pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Getreide oder Nüsse enthalten grundsätzlich kein Cholesterin! Ein weiterer Pluspunkt einer pflanzlich basierten Ernährung.

Medikamente gegen einen zu hohen Cholesterinspiegel

Helfen Lebensstilmaßnahmen wie eine Ernährungsumstellung oder mehr Bewegung nicht, den Cholesterinspiegel ausreichend zu senken, sollten unter Würdigung des gesamten Risikoprofils des Betroffenen ggf. Medikamente eingesetzt werden.

Am häufigsten werden hier die Statine verschrieben. Statine wie z.B. Atorvastatin oder Simvastatin sind sogar die weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamente. Sie sorgen dafür, dass der Körper weniger Cholesterin selber herstellt. Da aber weiterhin Cholesterin verbraucht wird, sinkt das LDL-Cholesterin im Blut. Das „gute“ HDL-Cholesterin steigt dagegen an. Statine haben zusätzlich auch eine entzündungshemmende und eine sogenannte plaquestabilisierende Wirkung. Die Gefahr, dass die Ablagerungen, die sog. Plaquekappen aufreißen und dann durch eine akute Gerinnselbildung zu einer kompletten Verstopfung, einem kompletten Verschluss eines Blutgefäßes, z.B. am Herzen in Form eines Herzinfarktes führen, wird vermindert. Daher verschreibt man Statine Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung, selbst wenn diese einen normalen Cholesterinwert aufweisen!

Etwa 5 von 100 Patienten bekommen durch diese Medikamentengruppe Nebenwirkungen wie eine Leberwerterhöhung oder Muskelschmerzen. Tritt letzteres Symptom auf, sollte dies dem behandelnden Arzt unbedingt mitgeteilt werden. Allerdings sind Statine, wie man aus großen Studien weiß, insgesamt sehr gut verträglich. Geringe Beschwerden, die oftmals auch nicht eindeutig den Medikamenten angelastet werden können, sollten nicht reflexartig zu einem eigenständigen Absetzen dieser Medikamentengruppe führen sondern in Absprache mit dem behandelnden Arzt nach einer Behandlungspause eine Umstellung der Behandlung nach sich ziehen (z.B. andere Dosierung, Umstellung auf anderes Statin, Kombination mit anderen Cholesterinsenkern wie Ezetimib etc.).

Weitere Cholesterinsenker sind z.B. das Ezitimib, welches die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm hemmt und sehr gut mit den Stationen kombiniert werden kann, sowie neuere Antikörper-basierte Medikamente, die sog. PCSK9-Hemmer. Lernen Sie mehr zu dieser neuen Medikamentengruppe.

DocCheck-Interview mit Prof. Drexel auf dem ESC 2107 in Barcelona: Moderne Behandlung von Fettstoffwechselstörungen. Von Lebensstiloptimierung, über Statine, Ezetimib und PCSK-9-Hemmung bis hin zur Arterioskleroseimpfung…

Was besagt die Cholesterin-Lüge?

Nach Auffassung einiger Experten sei die Aussage, dass ein erhöhtes Cholesterin ein Risikofaktor für koronare Herzerkrankungen und Herzinfarkte sei, eine Erfindung der Pharmaindustrie, die lediglich ihre Medikamente verkaufen und Ihre Profite steigern wolle.

Diese Informationen haben bei vielen Menschen mit Herzerkrankungen zu Verunsicherungen geführt. Zu Unrecht, denn die sogenannte „Cholesterin-Lüge“ gibt es nicht. Anhand vieler Studien und Erfahrungen mit herzkranken Patienten konnte eindeutig gezeigt werden, dass ein erhöhtes LDL-Cholesterin das Risiko für die Arteriosklerose und damit auch für eine KHK bzw. einen Herzinfarkt deutlich ansteigen lässt. Patienten, die ihre Medikamente auf eigene Faust absetzen, setzen ihre Gesundheit aufs Spiel. Mehr Informationen hierzu finden Sie hier.
Folgen eines zu hohen Cholesterins

Erhöhte Cholesterinwerte – Verlauf

Was passiert bei einem zu hohen Cholesterin?

Ist das Cholesterin, insbesondere das „böse“ LDL-Cholesterin erhöht, dann lagert sich dieses vermehrt in den Gefäßwänden, insbesondere in den Wänden unserer Arterien ab. Entzündungszellen, weiße Blutkörperchen folgen dem LDL in die Gefäßwand, „fressen“ sich damit vereinfacht gesagt voll (Phagozytose) und verbleiben an Ort und Stelle. Die Gefäßwand wird dicker und dicker und die Arterie wird immer weniger elastisch. Zugleich verengt sich das Gefäß durch die Ablagerungen, auch Plaques genannt, zunehmend, was dazu führt, dass weniger Blut hindurchfließen kann. Je nachdem, welches Gewebe oder welches Organ das Gefäß versorgt, treten Durchblutungsstörungen im betroffenen Bereich auf. Am Herzen kommt es so zu einer Minderversorgung des Herzmuskels. Den gesamten Prozess bezeichnet man als Arteriosklerose („Arterienverkalkung“). Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens arteriosklerotische Veränderungen an den Gefäßen. Das Ausmaß dieser Veränderungen wird aber insbesondere vom Cholesterinspiegel bestimmt.

Sind eine oder mehrere Herzkranzgefäße verengt, liegt eine koronare Herzerkrankung (KHK) vor. Diese zeigt sich z.B. durch Schmerzen in der Brust, auch Angina pectoris genannt, und es kann sich auch eine zunehmende Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickeln. Im schlimmsten Fall wird der Herzmuskel in einem bestimmten Bereich durch einen plötzlichen kompletten Verschluss einer Herzkranzarterie gar nicht mehr mit Blut versorgt und es kommt zum gefürchteten Herzinfarkt.
Tritt ein solcher Prozess, also ein kompletter Gefäßverschluss, in den Arterien auf, die das Gehirn mit Blut versorgen, spricht man von einem Schlaganfall. Prinzipiell können alle Arterien des Körpers, wie z.B. auch die Arterien der Beine oder der Augen betroffen sein.
Am besten ist es also, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen! Lassen Sie wenn möglich Ihre Cholesterinwerte regelmäßig kontrollieren und beginnen Sie, falls erforderlich, frühzeitig eine Therapie. Durch eine Lebensumstellung und falls nötig auch die richtigen Medikamente lassen sich die Folgen eines erhöhten Cholesterinspiegels sehr häufig abwenden. Versuchen Sie, zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt den für Sie empfohlenen LDL-Zielwert zu erreichen, dann haben Sie bereits sehr viel für sich und Ihre Gesundheit erreicht!

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