Definition und Beschreibung

Der Bluthochdruck, auch arterielle Hypertonie genannt, ist eine extrem häufige Erkrankung. Ca. 20-30 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland unter einem Bluthochdruck, wobei leiden eigentlich das falsche Wort ist, denn das tückische an diesem „lautlosen Killer“ ist ja gerade, dass man als Betroffene/r meist keinerlei oder nur wenige Beschwerden verspürt, bis es zu einer der gefürchteten Komplikationen wie HerzinfarktHerzschwächeSchlaganfall, Nierenversagen und vielen weiteren (s.u.) kommt. Damit hat der Bluthochdruck v.a. als häufigster und wichtigster Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine enorme Bedeutung und gilt als der weltweit größte Killer überhaupt. Wenn weitere solcher Risikofaktoren, wie z.B. Diabetes mellitus oder das Zigarettenrauchen hinzukommen, erhöht sich das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall noch drastischer. Zwei Drittel aller Hypertonus-Patienten, die nicht behandelt werden, sterben an Erkrankungen der Herzgefäße oder an einer Herzschwäche. Das ist v.a. deshalb so dramatisch, weil wir im Gegensatz zu einigen anderen eher schicksalhaften Erkrankungen beim Bluthochdruck sehr gute Mittel haben diese Erkrankung in den Griff zu bekommen, allen voran durch eine Verbesserung des Lebensstils, und, wenn das allein nicht ausreicht, auch unter Zuhilfenahme gut verträglicher Medikamente. Eine effektive Blutdrucksenkung ist somit die mit Abstand erfolgreichste, wirkungsvollste und in den meisten Fällen auch einfachste ärztliche Maßnahme!

Was ist „Blutdruck“?

Der Blutdruck ist der Druck, der in einem bestimmten Abschnitt des Herz-Kreislauf-Systems gemessen wird. Meist bezieht sich die Angabe auf den Blutdruck, der in den großen Gefäßen herrscht, die vom Herzen wegführen, also den arteriellen Blutdruck.

Eine typische Angabe ist z.B.: „120/80 mmHg“. Gemäß dieser Angabe lässt sich der Blutdruck in einen systolischen und einen diastolischen Blutdruck einteilen:

Der systolische Blutdruck ist der höhere der beiden Werte und steht vor dem Schrägstrich. Er bezeichnet den maximalen Druck, der in den Arterien herrscht, während sich das Herz zusammenzieht und das Blut auswirft (Systole). Er hängt somit von der Auswurfkraft des Herzens und der Elastizität der Arterien ab. Kommt es zu einer zunehmenden Verhärtung der Arterien wie z.B. durch Alterungsprozesse oder beschleunigt im Rahmen der Atherosklerose (Synonym Arteriosklerose, im Volksmund „Arterienverkalkung“) steigt insbesondere dieser erste Blutdruckwert an. Da sich das Blut vom Herzen in die große Hauptschlagader und bis in die kleinsten Arterien der Hände und Füße ausbreitet, kann der Blutdruck auch gut über eine Messung am Arm bestimmt werden.

Der diastolische Blutdruck ist der niedrigere der beiden Werte und steht hinter dem Schrägstrich. Er gibt den Druck an, der minimal in den Gefäßen herrscht, wenn sich das Herz entspannt und erneut mit Blut gefüllt wird (Diastole). Der diastolische Blutdruck wird vor allem durch das Blutvolumen in den Gefäßen und deren Beschaffenheit bestimmt. Ist das Blutvolumen geringer, z.B. bei Flüssigkeits- oder Blutverlust, ist der diastolische Wert niedriger.

Wann ist der Blutdruck normal, wann ist er zu hoch?

Eine Übersicht gibt folgende Blutdrucktabelle:

  • Optimal
  • 120/80 mmHg
  • Normal
  • 130/85 mmHg
  • Hoch-normal
  • 130/85-139/89 mmHg
  • Hypertonie Grad I (mild)
  • 140/90-159/99 mmHg
  • Hypertonie Grad II (moderat)
  • 160/100-179/109 mmHg
  • Hypertonie Grad III (schwer)
  • ≥180/110 mmHg
  • Isolierte systolische Hypertonie
  • ≥140 mmHg systolisch
  • Hypertensive Krise
  • 230/120 mmHg

Zu den Ergebnissen der SPRINT-Studie lesen Sie bitte den Kommentar unten.

Ursachen und Risikofaktoren

Es gibt grundsätzlich zwei Formen des Bluthochdrucks: den primären und den sekundären Hypertonus.

Die sekundäre Form liegt nur bei etwa 10% der Patienten vor und zeichnet sich dadurch aus, dass andere Erkrankungen vorliegen, die den hohen Blutdruck verursachen. Behandelt man diese Erkrankungen, verschwindet in den meisten Fällen auch der zu hohe Blutdruck. Krankheiten, die zu einem erhöhten Blutdruck führen können, sind z.B. das Schlafapnoe-Syndrom, Nierenerkrankungen, oder hormonelle Leiden wie z.B. eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), ein Zuviel an dem Stresshormon Cortisol (Morbus Cushing) oder Aldosteron (Morbus Conn). Liegt der Verdacht auf eine Sekundäre Hypertonie vor sollten entsprechende Blutuntersuchungen zum Ausschluss einer hormonell bedingten Bluthochdruckform, eine Nierendiagnostik (Darstellung der Nieren und Nierenarterien mittels Ultraschalluntersuchung), ein Ausschluss eines Schlafapnoesyndroms sowie ggf. weiterführende Spezialuntersuchungen erfolgen.

Weitaus häufiger, nämlich in 90% der Fälle, liegt der Hypertonie jedoch keine bekannte auslösende Erkrankung zu Grunde. Man spricht dann von einem primären Bluthochdruck. Hier spielen vor allem eine genetische, also erbliche Belastung und folgende Risikofaktoren eine Rolle:

  • ein höheres Lebensalter
  • Rauchen
  • Adipositas
  • Stress bzw. psychische Belastungen
  • Bewegungsmangel
  • Fettstoffwechselstörungen
  • eine hohe Zufuhr von Alkohol, Koffein, Kochsalz

Symptome

Die arterielle Hypertonie ist zwar eine Erkrankung, dennoch „leiden“ aber nur wenige Menschen tatsächlich darunter, denn sie bleibt zumeist ohne Symptome. Dies ist vor allem bei nur moderat erhöhten Blutdruckwerten der Fall. Wenn Beschwerden auftreten, dann sind diese meist sehr unspezifisch, wie z.B.

  • Kopfschmerzen, vor allem im Hinterkopf in den frühen Morgenstunden
  • Schwindel
  • Herzstolpern
  • Ohrensausen
  • Müdigkeit oder
  • Nasenbluten

Drastischer sind dagegen die Symptome, wenn es zu einem sogenannten hypertensiven Notfall kommt. Hierbei liegt der Blutdruck über 230/120 mmHg und es kommt zu Organschäden (im schlimmsten Fall Hirnblutungen, Herzversagen o.ä.). Dies kann zu folgenden möglichen Beschwerden führen:

  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Erbrechen
  • Krampfanfälle
  • Atemnot
  • Brustenge (Angina pectoris)

Diagnose

Ob eine arterielle Hypertonie vorliegt, wird über eine wiederholte Blutdruckmessung an beiden Armen ermittelt. Ein einmalig erhöhter Wert hat meist nur eine geringe Aussagekraft. Für die eindeutige Diagnose ist eine dreimalige Messung an drei unterschiedlichen Tagen zu unterschiedlichen Tageszeiten jeweils an beiden Armen erforderlich. Wenn die drei Werte über 140 mmHg (systolisch) und/oder 90 mmHg (diastolisch) liegen, ist ein Bluthochdruck bestätigt. Im Zweifel kann mit einer Langzeitblutdruckmessung über 24 Stunden am genauesten der entscheidende Blutdruckmittelwert ermittelt werden, da hierbei auch eine regelmäßige Messung während der Nachtruhe erfolgt, in der der Blutdruck im Normalfall etwas absinkt. Für die Langzeitblutdruckmessung gelten daher niedrigere Grenzwerte von <130/80mmHg.

Blutdruck messen

Die Messung erfolgt in Ruhe, d.h. beim bereits 3-5 Minuten sitzenden Patienten. Beide Arme sind auf Herzhöhe zu lagern. Wichtig ist sich von einem einmalig erhöhten Blutdruckwert nicht gleich beunruhigen lassen (sofern er nicht dramatisch erhöht ist, siehe oben), denn der Blutdruck ist eine sehr dynamische Größe und eben nicht in Stein gemeißelt. Über das sog. vegetative Nervensystem wird er z.B. durch Stresseinfluss oder bei körperlicher Belastung erhöht. Wenn Sie sich also über ihren Ehemann ärgern, der seit 4 Tagen den Müll nicht rausgebracht hat, dann ist ein erhöhter Blutdruckwert bis zu einem gewissen Grad eine normale Reaktion Ihres Herz-Kreislaufsystems auf die Ausschüttung von Stresshormonen und eben nicht krankhaft.

Der Messwert

Der Blutdruck wird in mmHg (sprich: Millimeter Quecksilber) angegeben. Häufig wird der arterielle Blutdruck auch mit „RR“ abgekürzt. Dies steht für den Namen „Riva-Rocci“. Scipione Riva-Rocci war ein italienischer Arzt, der 1896 das erste Blutdruckmessgerät mit Quecksilber vorstellte.

Weitere Diagnostik

Manchmal kann es vorkommen, dass Patienten nur erhöhte Blutdruckwerte aufweisen, wenn ihr Blutdruck vom Arzt oder einer Schwester gemessen wird. Zuhause ist der Blutdruck dagegen völlig normal. Dieser auf Nervosität zurückzuführende „Weißkitteleffekt“ kann zur Fehldiagnose einer Hypertonie führen. Ausgeschlossen werden kann der Weißkitteleffekt über eine Blutdruckmessung über 24 Stunden. Auch über diese Untersuchungsmethode kann eine arterielle Hypertonie diagnostiziert werden: Liegt der Durchschnittswert aller gemessenen Werte über 130/80 mmHg, liegt ein Bluthochdruck vor. Die 24-Stunden-Blutdruckmessung kann zudem einen Hinweis auf eine sekundäre Hypertonie geben: Sinkt der Blutdruck nicht wie normalerweise in der Nacht ab, sollte nach weiteren Ursachen für den zu hohen Blutdruck geforscht werden.

Neben der Diagnose eines Bluthochdruckes selber gehören auch noch verschiedene Untersuchungen, die eine bereits vorhandene Schädigung verschiedener betroffener Organsysteme nachweisen können, zum Repertoire der Bluthochdruckdiagnostik.

Behandlung und Therapie

Im Mittelpunkt der Behandlung eines zu hohen Blutdrucks stehen allgemeine Maßnahmen wie die Änderung des eigenen Lebensstils. Ist dies allein nicht ausreichend, werden also die Blutdruck-Zielwerte nicht erreicht, ist zusätzlich eine Therapie mit Medikamenten notwendig, um Komplikationen zu vermeiden. Letztere sind insbesondere gefordert, wenn ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht, etwa weil Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus o.ä. vorliegen, und wenn der Blutdruck sehr hoch ist. Ab einem Blutdruck von 160 mmHg systolisch muss dieser immer medikamentös gesenkt werden.

Blutdruck Normalwerte

Der allgemeine Zielwert für die Senkung des Blutdrucks ist <140/90 mmHg bzw. <135/85 mmHg für den errechneten Mittelwert aus vielen Einzelmessungen, <130/80 mmHg für den Mittelwert aus der 24-Stunden Blutdruckmessung.

Ein zu aggressiv und zu schnell abgesenkter niedriger Blutdruck kann insbesondere bei älteren Menschen oftmals sogar eher Nachteile mit sich bringen, wie z.B. eine erhöhte Sturzgefahr durch Schwindel und Benommenheit, Elektrolytstörungen oder Nierenversagen und vor allem, und das ist eigentlich die schlimmste „Nebenwirkung“, ein vorzeitiges Absetzen der Medikamente durch den Patienten, der sich mit den Blutdruckpillen plötzlich nicht mehr wohl fühlt. Dies liegt ganz einfach daran, dass der Körper über Jahre an den zu hohen Blutdruck gewöhnt ist und eine zu schnelle und aggressive Absenkung des Blutdruckwertes nicht gut toleriert. Gerade deshalb ist es so wichtig den Blutdruck langsam und behutsam in den Zielbereich zu senken, um dem Körper die Chance zu geben sich daran zu gewöhnen und somit den gesamten Behandlungserfolg nicht zu gefährden.

Ob der Zielwert erreicht wird, können Sie einfach zuhause mit einem Blutdruckmessgerät nachmessen. Des Weiteren wird in Intervallen von 2-6 Monaten (je nach Risiko und Höhe des Blutdrucks) beim Arzt kontrolliert, ob die Blutdruckwerte im Normbereich liegen. Auf diese Weise kann Ihre Therapie optimal angepasst werden.

Nach den Ergebnissen der SPRINT-Studie, die die herkömmlich angestrebte Blutdrucksenkung auf unter 140 mmHg mit einer intensiveren Blutdrucksenkung auf Werte von unter 120 mmHg im Hinblick auf Komplikationen wie Herzinfarkt, akutem Koronarsyndrom, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder Tod aus anderer Herz-Kreislauf-bedingter Ursache an 9361 Patienten verglichen hat erscheint zumindest für viele “Hochrisikopatienten” eine intensivere Absenkung des Blutdruckes auf systolisch unter 120 mmHg von Vorteil zu sein.

Nach einer Behandlungszeit von 3,26 Jahren traten die oben genannten Komplikationen um 25% seltener unter der intensiveren Blutdrucksenkung auf (1,65% pro Jahr im Vergleich zu 2,19% pro Jahr) und auch die Gesamtsterblichkeit war um 27% vermindert. Wermutstropfen waren allerdings die im intensiveren Behandlungsarm häufiger aufgetretenen Nebenwirkungen wie Hypotonie, Ohnmachtsanfall, Störungen der Blutsalze und Nierenversagen.

Daneben gibt es zunehmend kritische Stimmen, die besagen, dass man diese Studie mit Vorsicht interpretieren muss, da man letztlich „Äpfel mit Birnen“ vergleicht: In der SPRINT-Studie wurde nämlich im Gegensatz zu den vorausgegangenen Studien der Blutdruck nicht wie üblich durch das medizinische Personal, sondern unbeobachtet, in einem eigenen ruhigen, geschlossenen Raum durch eine automatische Blutdruckmessung durchgeführt. Dies, so wird argumentiert, könnte zu systematisch zu niedrig gemessenen Blutdruckwerten geführt haben (da hier der sog. Weißkittel-Effekt mit blutdrucksteigernder Wirkung entfällt), was eine Erklärung für die unterschiedlichen Ergebnisse dieser Studie sein könnte.

Letztlich bleibt hier abzuwarten und auch individuell von Patient zu Patient zu entscheiden, welches die beste Strategie ist. Für Sie gilt: Wenden Sie sich an den Arzt Ihres Vertrauens!

Den Blutdruck natürlich senken

Die Änderung des eigenen Lebensstils kann in Bezug auf den Blutdruck schon viel bewegen. Hierdurch kann in vielen Fällen die Einnahme von Medikamenten, insbesondere in frühen Phasen der Hypertonie vermieden werden. Daher stellen konsequente Lebensstilverbesserungen immer die Basis der Behandlung eines Blutdruckes dar, auch wenn dies leider allzu häufig übersehen bzw. verdrängt wird.

Eine positive, d.h. blutdrucksenkende Wirkung hat z.B. Sport, hier vor allem der Ausdauersport. Auch muskuläre Trainingseinheiten sind, wie wir heute wissen, gesamtgesundheitlich betrachtet zu empfehlen, da uns eine gesunde und kräftige Muskulatur durch eine Erhöhung des Grundumsatzes (Energieverbrauchs) vor Wohlstandserkrankungen wie Diabetes, Fettsucht und entsprechenden Folgeerkrankungen schützt. Besteht allerdings bereits ein Bluthochdruck, sollte man bei kraftbetonten Sportarten eine Pressatmung vermeiden, da diese zu Blutdruckspitzen während des Trainings führen kann.

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Auch eine Gewichtsabnahme kann einen deutlichen Effekt auf den Blutdruck zeigen. Generell kann über die Ernährung viel bewirkt werden. In den Videos Herzgesund leben finden Sie viele Informationen darüber, welche Lebensmittel bzw. welche Ernährungsweise einen positiven Einfluss auf den Blutdruck haben. Natürliche Blutdrucksenker aus der Nahrung sind z.B. Blaubeeren, grünes Blattgemüse oder dunkle Schokolade (Hierbei gilt allerdings aufgrund des nicht unerheblichen Kaloriengehaltes die „Weniger ist mehr“-Regel.). Alkohol und Kochsalz sollten in Maßen konsumiert werden, das Rauchen komplett eingestellt werden. Tipps zum Rauchstopp finden Sie hier.

Auch die Reduktion von Stress ist eine sehr sinnvolle Maßnahme. Bauen Sie kleine „Entspannungsphasen“ in Form von autogenem Training oder Meditation in Ihren Alltag ein, nehmen Sie sich bewusst mehr Zeit für Tätigkeiten, die Ihnen Spaß machen und die Sie entspannen. Effektives „Stressmanagement“ ist (und das kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung bestätigen!) eine sehr lohnenswerte, lebenslange Aufgabe, deshalb habe ich diesem wichtigen Thema gleich mehre Videos gewidmet, sehen Sie selber! Hier geht´s zum Stressmanagement.

Medikamente gegen Bluthochdruck

Allgemein empfiehlt man, bei der medikamentösen Therapie des Bluthochdrucks wenn nötig frühzeitig zu einer Kombination von Medikamenten zu greifen. Auf diese Weise kann die Dosis der Medikamente niedriger gehalten werden und Nebenwirkungen werden verringert.

Zu beachten ist auch, dass man die Wirkung der Medikamente frühestens ab ein bis zwei Wochen und nicht schon nach der ersten Einnahme beurteilen kann. Betablocker und Diuretika benötigen sogar eher zwei bis vier Wochen bis sich eine Wirkung zeigt.

Bei der Auswahl des für Sie am besten geeigneten Blutdruckmedikamentes /-medikamente orientiert sich Ihr Arzt daher v.a. an gleichzeitig bestehenden Erkrankungen und Patientencharakteristika (hier spielen z.B. auch genetische Faktoren eine Rolle, so ist z.B. bekannt, dass Afroamerikaner schlecht auf ACE-Hemmer ansprechen). Wenn es „nur“ um die Absenkung eines „unkomplizierten“ erhöhten Blutdruckes ohne relevante Begleitfaktoren geht wird die Behandlung in der sog. Erstlinientherapie aufgrund des günstigen Wirkungs-Nebenwirkungsprofils meist mit einem sog. ACE-Hemmer bzw. Sartan oder einem Calciumantagonisten begonnen und dann in der Kombinationsbehandlung meist rasch mit einem Diuretikum kombiniert. Aufgrund eher negativer Effekt auf den Stoffwechsel, z.B. den Blutzucker, werden Betablocker nicht mehr für die „Erstlinientherapie“ einer unkomplizierten Hypertonie empfohlen, sondern dann eingesetzt, wenn andere gleichzeitig bestehende Erkrankungen wie eine koronare Herzkrankheit oder eine Herzschwäche den Einsatz eines Betablockers erfordern.

Medikamentöse Blutdrucktherapie in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft dürfen viele der gängigen Blutdruckmedikamente nicht gegeben werden, weil sie das ungeborene Kind schädigen könnten. Dennoch kann es manchmal erforderlich sein, den Blutdruck auch in der Schwangerschaft zu senken, da es nicht selten durch die Schwangerschaft selber zu gelegentlich auch gefährlichen Blutdruckentgleisungen mit verschiedenen Komplikationen kommen kann. Dies gilt insbesondere für Blutdruckwerte ab >160 mmHg systolisch oder >120 mmHg diastolisch. Mittel der Wahl ist hier α-Methyldopa. Steigen die Blutdruckwerte sehr stark an, gibt man auch Dihydralazin. Alternativ kann auch Nifedipin, Urapidil sowie (ausschließlich im 1. und 2. Trimenon) Metoprolol (Beta-Blocker) eingenommen werden. Ausführliche Information zur Arzneitherapie in der Schwangerschaft finden Sie hier.

Therapie der hypertensiven Krise

Von einer hypertensiven Krise spricht man, wenn der Blutdruck auf über 230/120 mmHg steigt. Hierbei muss der Blutdruck schnell, aber auch nicht zu stark abgesenkt werden. Insbesondere wenn ein hypertensiver Notfall, also zusätzlich Hinweise auf Organschäden vorliegen, muss eine rasche medikamentöse Therapie eingeleitet werden. Dies erfolgt meistens über Nitrate, z.B. Glyceroltrinitrat, die eine Erweiterung der Gefäße zur Folge haben und somit den Blutdruck rasch und effektiv senken.

Folgen eines zu hohen Blutdrucks

Eine arterielle Hypertonie kann weitreichende Folgen für die Gesundheit haben, indem sie Schäden an fast jedem Organ hervorrufen kann.

Bluthochdruck schädigt auf lange Sicht die Zellschicht, die das Innere der Blutgefäße auskleidet, das sog. Endothel. Da jedes Organ in unserem Körper auf funktionierende Blutgefäße angewiesen ist, um ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt zu werden, können diese durch zu hohen Blutdruck verursachten Endothelschäden auch zu Komplikationen an fast jedem Organ führen.

Am Herzen kann der hohe Blutdruck zu verschiedenen, recht typischen Veränderungen führen. Insbesondere die linke Herzkammer muss dauerhaft gegen einen hohen Druck „anpumpen“ und ist daher stark belastet. Das Herz versucht zunächst diese Belastung zu kompensieren und nimmt an Muskeldicke im Bereich der linken Herzkammer zu (sog. „Linksherz-Hypertrophie“). Dies führt aber dazu, dass sich das Herz in der Erschlaffungsphase, der Diastole, nicht mehr so gut ausdehnen und mit Blut füllen kann (sog. diastolische Herzschwäche). Die Menge an Blut, die das Herz pro Minute durch den Körper pumpen kann, nimmt ab. Wird der Bluthochdruck weiterhin nicht effektiv behandelt, wird das Herz auch dahingehend geschwächt, dass es sich nicht mehr gut zusammenziehen (kontrahieren) kann. Es kommt dann schließlich auch zur systolischen Herzschwäche.

Auch die Gefäße des Herzens, die Herzkranzgefäße, auch Koronararterien genannt, sind von der Hypertonie direkt betroffen. Durch die Bluthochdruck-verursachte Beschleunigung der Atherosklerose („Arterienverkalkung“) verschlechtert sich die Blutversorgung des Herzens und es kann im Extremfall durch das Aufreißen einer Ablagerung, einer atherosklerotischen Plaque, mit akuter Gerinnselbildung und nachfolgend komplettem Verschluss einer Herzkranzarterie zum Herzinfarkt kommen.

Für die großen Gefäße, die vom Herzen wegführen, bleibt der hohe Druck ebenfalls nicht ohne Folgen: An der Aorta, der Hauptschlagader, können sich Aussackungen ausbilden, wenn die Gefäßwand dem Druck auf Dauer nicht mehr standhalten kann. Diese Aussackungen, auch Aneurysmen genannt, bergen die Gefahr des Einreißens (sog. Ruptur), was in vielen Fällen tödlich endet.

Im Gehirn kann es durch verschlossene oder durch aufgerissene, blutende Gefäße zum Schlaganfall kommen. Der Bluthochdruck stellt hierbei den wichtigsten Risikofaktor für den Schlaganfall dar; dieser ist weltweit die zweithäufigste Todesursache. Zudem können kleinste geschädigte und verengte Gefäße die Blutversorgung auf Dauer einschränken, sodass eine bestimmte Form der Demenz, die sog. vaskuläre Demenz entstehen kann.

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Die Niere reagiert ebenfalls sehr empfindlich auf zu hohe Blutdruckwerte. Die kleinsten Filtereinheiten werden geschädigt und es kommt zum Verlust von Eiweißen im Blut. Durch die Bestimmung der Eiweißausscheidung, insbesondere bestimmter Fraktionen der Bluteiweiße, die schon im Frühstadium der Erkrankung vermehrt mit dem Urin ausgeschieden werden, kann ein Bluthochdruck-bedingter Nierenschaden festgestellt werden (sog. Mikroalbuminurie). Im fortgeschrittenen Stadium schrumpft die Niere (sog. Schrumpfnieren) und verliert ihre Funktion vollständig, was dann eine Dialysebehandlung notwendig macht.

Auch das Auge besitzt kleinste Gefäße, die vom hohen Druck betroffen sein können. In späten Stadien kann es zu Netzhautblutungen und einem Abbau des Sehnervs kommen. Über eine Spiegelung des Augenhintergrundes kann der Augenarzt eine Bluthochdruck-bedingte Schädigung der Arterien direkt feststellen.

Hoher Blutdruck – was tun?

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Um eine arterielle Hypertonie richtig behandeln zu können und damit Folgeschäden zu vermeiden, ist aber eine engmaschige ärztliche Betreuung wichtig. Ihr Hausarzt oder Ihr Kardiologe wird Sie gern über Ihre Therapieoptionen aufklären. Denken Sie an das bereits oben gesagte: Eine effektive Blutdrucksenkung ist die mit Abstand erfolgreichste, wirkungsvollste und in den meisten Fällen auch einfachste ärztliche Maßnahme! Aber: Sie müssen natürlich auch entschlossen mitziehen!

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