Herzklappen und Herzklappenfehler

Wie funktionieren unsere Herzklappen und was passiert wenn sie nicht mehr ordentlich arbeiten können?

Sie öffnen und schließen sich über 100.000 x pro Tag: Unsere Herzklappen

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

haben Sie eigentlich eine Ahnung was Ihr Herz, meist vollkommen unbemerkt, tagtäglich 24/7, also rund um die Uhr für Sie leistet?! Unser Lebensmotor pumpt unaufhörlich, genau genommen über 100.000 x pro Tag, Blut in unseren Körper!

Über ein fein verzweigtes System an immer kleiner werdenden Blutgefäßen wird so jede Zelle in unserem Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und so unser Leben überhaupt erst ermöglicht.

Dabei sorgen in unserem Lebensmotor Herz 4 Herzklappen dafür, dass das Blut durch unseren Herzmuskel immer in die richtige Richtung transportiert wird. Unsere Mitralherzklappe sorgt z.B. dafür, dass das mit frischem Sauerstoff angereicherte Blut nach vorne in den Körper und nicht zurück in die Lunge transportiert wird.

Diese feinen Herzklappen arbeiten also vereinfacht gesagt wie Ventile. Und auch wenn diese meist ein Leben lang gut funktionieren, kann es doch gerade im höheren Lebensalter oder bei bereits angeborenen Veränderungen an den Herzklappen zu Veränderungen und Defekten kommen.

Minimale Herzklappenfehler beobachtet man sehr häufig und diese sind oftmals eher ein harmloser Zufallsbefund. Und auch bedeutendere Herzklappenfehler schreiten oft sehr langsam und unbemerkt voran, da das gesunde Herz sie oftmals über viele Jahre durch „Mehrarbeit“ kompensieren, also ausgleichen kann.

Bleibt ein bedeutender Herzklappenfehler jedoch längere Zeit unbehandelt, können diese Kompensationsmechanismen irgendwann versagen und es entsteht schließlich eine Herzschwäche, die dann zu einer deutlichen Einschränkung der Lebenserwartung und auch der Lebensqualität führt.

Doch wie kann ich als Laie einen Herzklappenfehler überhaupt rechtzeitig bemerken?

Problematisch ist, dass die oftmals eher diffusen Beschwerden wie Abgeschlagenheit, zunehmende Luftnot oder Schwindel nicht ernst genommen oder auf das Alter geschoben werden, obwohl sie in Wirklichkeit durch eine defekte Herzklappe mit resultierender Pumpleistungsschwäche des Herzens bedingt sind. Dabei sollten derartige Beschwerden unbedingt ernst genommen werden da natürlich nur eine rechtzeitige Behandlung einen optimalen Therapieerfolg sichern kann.

Je nach Art des Herzklappenfehlers können auch weitere Beschwerden wie Brustschmerzen oder Schwindel und Ohnmachtsanfälle auftreten.

Wenn Ihnen diese Beschwerden bekannt vorkommen sollten Sie Ihren Arzt versuchen. Bei entsprechendem Verdacht kann dann über eine Ultraschalluntersuchung des Herzens schnell und unbelastend festgestellt werden, ob bei Ihnen ein Herzklappenfehler vorliegt und ob ggf. eine Behandlung eingeleitet werden muss.

Doch was dann?

Noch vor ca. 2 Jahrzehnten war diese Frage einfacher zu beantworten: Medikamente können eine defekte Herzklappe nicht reparieren sondern allenfalls die Beschwerden abmildern. Die einzige Möglichkeit der Korrektur eines bedeutenden Herzklappenfehlers bestand in einem Ersatz oder einer Reparatur der defekten Herzklappe durch eine Herzklappenoperation.

Hierfür muss der Brustkorb eröffnet und der Blutkreislauf über eine Herz-Lungen-Maschine überbrückt werden.

So eine Operation ist natürlich nicht gerade ein Spaziergang und vielen der oftmals älteren betroffenen Patienten wurde diese Operation am offenen Herzen aus Angst vor tödlichen Operationen nicht mehr zugemutet. Die Folge: Viele der Patienten mussten sich bis an ihr Lebensende mit Beschwerden wie Luftnot und Brustschmerz quälen.

Heute sieht das schon ganz anders aus!

Durch bahnbrechende Erfindungen und Fortentwicklungen in der Herzkathetertechnik können mittlerweile ganze Herzklappen ersetzt oder „repariert“ werden, ohne dabei den Brustkorb eröffnen zu müssen.

Die erste Kathetertechnik mit der der häufigste Herzklappenfehler, nämlich die verengte und verkalkte Aortenherzklappe, medizinisch als Aortenklappenstenose bezeichnet, „repariert“ werden konnte wurde 2012 mit der sog. TAVI-Technik eingeführt.

Hierbei wird über eine Leistenarterie eine in einem Plastikkatheter zusammengefaltete, aus Schweine- oder Rindergewebe hergestellte, Herzklappe zum Herzen vorgeführt und unter Röntgendurchleuchtung über einen aufblasbaren Ballon mit viel Druck in die verengte und verkalkte Aortenherzklappe hereingepresst.

Der zweithäufigste bedeutsame Herzklappenfehler ist die Undichtigkeit der Mitralherzklappe zwischen dem linken Herzvorhof und der linken Herzkammer, eine sog. Mitralklappeninsuffizienz. Auch dieser Herzklappenfehler kann heute bei bestimmten Patienten, die für eine Operation nicht in Frage kommen, mit einem speziellen Herzkatheterverfahren behandelt werden, aber das werden wir uns in einem eigenen Video etwas genauer anschauen…

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