MitraClip – Reparatur der Mitralherzklappe ohne Operation

Wie kann eine hochgradig undichte Mitralherzklappe ohne Operation korrigiert werden?

F√ľr geeignete Patienten/innen eine wertvolle Behandlungsoption ‚Äď die MitraClip-Technik

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

Im Alter von >75 Jahren leidet jeder 10. Mensch an einer bedeutenden Mitralklappeninsuffizienz, einer Undichtigkeit der Mitralherzklappe zwischen dem linken Herzvorhof und der linken Herzkammer…

Stellen Sie sich kurz vor Sie m√ľssten eine Badewanne mit einem Eimer leer sch√∂pfen, an dessen Boden ein gro√ües Loch klafft. Da m√ľssten Sie nat√ľrlich viel mehr Arbeit verrichten und w√ľrden trotzdem sehr ineffektiv arbeiten und schlie√ülich irgendwann erm√ľden. So ergeht es auch Ihrem Herzen bei einer bedeutenden Mitralklappeninsuffizienz‚Ķ

Bei diesem¬†Herzklappenfehler¬†str√∂mt ein Gro√üteil des Blutes, welches unsere linke Herzkammer eigentlich ‚Äěnach vorne‚Äú in unseren K√∂rper zu unseren Organen pumpen sollte durch die defekte Herzklappe zur√ľck, quasi in die falsche Richtung, in unseren linken Herzvorhof. Bleibt dieser Herzklappenfehler √ľber lange Zeit unbehandelt kann sich durch die daraus resultierende Mehrarbeit f√ľr unser Herz eine ‚ÄěErm√ľdung des Herzmuskels‚Äú, eine Herzschw√§che mit einer Erweiterung der linken Herzkammer durch das st√§ndig zur√ľckflie√üende Blutvolumen entwickeln.

Ein Defekt der Mitralherzklappe, wie er z.B. sehr h√§ufig im Alter durch Verh√§rtungen und Verkalkungen¬†an der Herzklappe h√§ufig auftritt, kann also zu einer¬†Herzschw√§che¬†f√ľhren.

Umgekehrt kann es aber auch sein, dass die Mitralklappe an sich vollkommen in Ordnung ist, dass es aber z.B. durch eine¬†Erweiterung der linken Herzkammer wie sie im Rahmen einer schweren Herzschw√§che auftritt, zu einem ‚ÄúAuseinanderziehen‚ÄĚ bzw. ‚ÄúAuseinanderweichen‚ÄĚ der Herzklappe kommt wodurch die Herzklappe an den Herzklappenr√§ndern gewissermassen undicht wird.

Hierbei spricht man dann auch von einer sog. sekund√§ren, einer ‚Äúrelativen Mitralinsuffizienz‚Äú. Durch den entstehenden R√ľckfluss von Blut aus der linken Herzkammer zur√ľck in den linken Herzvorhof entwickelt sich eine zus√§tzliche Belastung f√ľr die ja ohnehin schon geschw√§chte linke Herzkammer, die den weiteren Krankheitsverlauf ung√ľnstig beeinflusst.

Was können wir also tun?

Liegt eine Herzschwäche als Ursache der Mitralinsuffizienz vor, bietet die moderne Medizin heute eine Vielzahl von Behandlungsmethoden, allen voran hochwirksame Medikamente, aber auch spezielle Herzschrittmachersysteme, mit denen bei geeigneten Patienten die Lebensqualität und auch die Lebenserwartung deutlich verbessert werden kann.

Liegt trotz Aussch√∂pfung aller Behandlungsma√ünahmen weiterhin eine bedeutende Undichtigkeit der Mitralherzklappe mit entsprechenden Beschwerden des Patienten vor ist die Behandlung der Wahl die Operation der Herzklappe. Dabei wird die Mitralklappe wenn m√∂glich repariert, man sagt auch rekonstruiert, oder falls dies nicht mehr m√∂glich ist, komplett ersetzt, also ein kompletter¬†Mitralklappenersatz¬†durchgef√ľhrt.

Eine derartige Herzoperation ist nat√ľrlich kein Spaziergang sondern ein gro√üer Eingriff mit Er√∂ffnung des Brustkorbes und Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Bei mehr als die H√§lfte der Patienten, die aufgrund des Krankheitsbildes eigentlich eine solche Operation ben√∂tigen w√ľrden wird diese nicht durchgef√ľhrt weil, z.B. aufgrund einer allgemeinen schlechten k√∂rperlichen Verfassung oder bedeutender anderer Erkrankungen, das Risiko, eine solche offene Herzoperation nicht zu √ľberleben, als zu hoch eingesch√§tzt wird.

Wie kann Menschen mit einer bedeutenden Mitralinsuffizienz, die f√ľr eine Operation nicht in Frage kommen geholfen werden?

Hierf√ľr wurden spezielle im Vergleich zu einer Operation deutlich weniger belastende Herzkathetertechnik-basierte Verfahren zur Korrektur einer Mitralkappeninsuffizienz entwickelt.

Bei der¬†Clip-Behandlung der Mitralklappe¬†wird unter Vollnarkose aber ohne Er√∂ffnung des Brustkorbes und ohne Herz-Lungen-Maschine gewisserma√üen ‚Äěminimal-invasiv‚Äú eine Art Klammer √ľber eine Leistenvene zum Herzen vorgeschoben. Unter R√∂ntgen- und 3D-Ultraschallkontrolle wird der Clip so an der undichten Mitralklappe befestigt, dass diese wieder deutlich besser schlie√üen kann. Die bestm√∂gliche Position des Clips kann am schlagenden Herzen st√§ndig √ľberpr√ľft und ggf. auch korrigiert werden. Falls notwendig k√∂nnen sogar mehrere Clips platziert werden.

Bei den meisten Patienten kann so bereits kurze Zeit nach dem Eingriff √ľber die Reduktion der Mitralklappeninsuffizienz auch eine deutliche Verbesserung der Lebensqualit√§t erreicht werden. Bis vor kurzem war jedoch relativ unklar, ob dieses Behandlungsverfahren auch das Leben betroffener Menschen mit einer sekund√§ren Mitralinsuffizienz auf dem Boden einer Herzschw√§che verl√§ngern kann.

2 gro√üe neue Studien haben hier f√ľr viel Diskussion gesorgt.

Zun√§chst konnte die¬†franz√∂sische Mitra-FR-Studie¬†im August 2018 an 304 Patienten mit Herzschw√§che und fortgeschrittener Mitalinsuffizienz keinen Unterschied in der Sterblichkeit von Patienten zeigen, die √ľber die optimale Behandlung mit Medikamenten hinaus mit der Clip-Behandlung der Mitralklappe versorgt wurden, im Vergleich zu den rein medikament√∂s behandelten Patienten.

Kurze Zeit später im September 2018 konnte die sog. COAPT-Studie an 610 Patienten mit Herzschwäche und mittelschwerer oder schwerer sekundärer Mitralinsuffizienz durch eine zusätzliche Clip-Behandlung der Mitralklappe im Vergleich zu einer alleinigen Behandlung mit Medikamenten eine Absenkung der allgemeinen Sterblichkeit um relativ 38% und eine Senkung der Krankenhausaufnahmen wegen Herzschwäche um 47% gezeigt werden.

Und jetzt? Wie sind diese auf den ersten Blick sehr widerspr√ľchlichen Studienergebnisse zu erkl√§ren?

Nat√ľrlich kann ich hier keine eindeutige Antwort geben aber bei genauer Betrachtung der 2 Studien kristallisiert sich heraus, dass die sorgf√§ltige Auswahl der f√ľr dieses neue Behandlungsverfahren wirklich geeigneten Patienten √ľber den Erfolg der Prozedur zu entscheiden scheint.

In der erstgenannten französischen MitraFR-Studie, die keinen positiven Effekt der Clip-Behandlung der Mitralklappe nachweisen konnte, hatten die Patienten im Durchschnitt eine gemessen an der Größe der linken Herzkammer weiter fortgeschrittene Herzschwäche und eine im Verhältnis dazu im Vergleich zur COAPT-Studie weniger stark ausgeprägte Undichtigkeit der Mitralklappe. Die Patienten der COAPT-Studie hatten eine im Vergleich zu MitraFR-Studienpatienten noch weniger stark fortgeschrittene Herzschwäche und eine im Vergleich dazu stärker ausgeprägte Mitralinsuffizienz.

Gemeinsamer Nenner dieser beiden Studien k√∂nnte also sein, dass bei einer bedeutenden, schweren Mitralklappeninsuffizienz nicht zu lange abgewartet werden sollte, da sonst die linke Herzkammer einen schlie√ülich nicht mehr r√ľckg√§ngig zu machenden Schaden erleiden kann.

 

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,
nat√ľrlich ist es f√ľr Sie als Patient nicht m√∂glich zu entscheiden, welches Behandlungsverfahren f√ľr Sie nun das geeignetste darstellt. Diese Entscheidung sollte im zusammen mit Ihnen im Kreise Ihrer behandelnden √Ąrzte, im sog. Herz-Team, unter Abw√§gung s√§mtlicher Vor- und Nachteile gewissenhaft getroffen werden.

Entscheidend ist v.a. dass Sie auf die besprochenen Beschwerden achten und mit Ihrem Arzt besprechen, um falls notwendig rechtzeitig eine wirksame Behandlung einleiten zu können.

Disclaimer

Die Vermittlung von Gesundheitsinformationen ist mit einer besonderen Verantwortung verbunden, der ich mir bewusst bin. Daher pr√ľfe und aktualisiere ich die Inhalte und Empfehlungen kontinuierlich. Eine Garantie f√ľr Vollst√§ndigkeit, Korrektheit und letztendliche Aktualit√§t kann ich jedoch nicht √ľbernehmen. Wir haften daher nicht f√ľr eventuelle Sch√§den, die mit der Verwendung oder einem Missbrauch meiner ver√∂ffentlichten Inhalte entstehen. Zum Teil wird in den dargebotenen Beitr√§gen meine pers√∂nliche Meinung dargelegt, die ggf. auch von medizinischen Leitlinien oder Empfehlungen durch Fachgesellschaften abweichen kann. Hinweise zu Medikamenten oder Medizinprodukten sind keine Anleitung zur Selbstmedikation. Die auf der Dr. Heart Webseite dargebotenen Informationen d√ľrfen nicht dazu verwendet werden, eine √§rztliche Behandlung eigenst√§ndig zu beginnen, zu ver√§ndern oder zu beenden, hier ist in jedem Fall ihr Arzt zu konsultieren. Dr. S. Waller und Mitarbeiter sind unter keinen Umst√§nden f√ľr Sch√§den haftbar zu machen, die sich aus der Nutzung der dargebotenen Informationen ergeben k√∂nnten. Es ist nicht beabsichtigt, mit diesem Haftungsausschluss gegen geltendes nationales Recht zu versto√üen. Die Informationen auf dr-heart.de ersetzen nicht Ihren pers√∂nlichen Arztbesuch, bei entsprechenden gesundheitlichen Problemen ist in jedem Fall ihr Arzt aufzusuchen, der eine korrekte Diagnose stellen und ggf. eine passende Therapie einleiten kann.