10 Fakten und Tipps zum Bluthochdruck – Teil 2

Teil 2 der Top 10 rund um Hypertonie & Co

Liebe Leserinnen und Leser,

sich ein Leben lang um seinen Blutdruck zu k√ľmmern ist, wie wir ja bereits gelernt haben, die beste Lebensversicherung √ľberhaupt, und nachdem wir im¬†ersten Teil dieses Zweiteilers¬†besprochen haben, wie sich unser Blutdruck im Alter verh√§lt und wieso der ‚Äěideale Blutdruckwert‚Äú weiterhin umstritten ist, erfahren Sie heute u.a., warum trotz aller bekannten Blutdruck-Zielwerte die¬†Blutdruckeinstellung¬†dennoch eine¬†sehr individuelle, an den Patienten anzupassende¬†extrem lohnende medizinische Ma√ünahme¬†ist.

6: Der optimale Blutdruckwert ist individuell unterschiedlich

Blutdruckrichtlinien sind das eine ‚Äď Patienten mit Ihren ganz individuellen Risiken und Begleiterkrankungen das andere. Daher macht es keinen Sinn alle Menschen bei der Blutdruckeinstellung stur √ľber einen Kamm zu scheren. Gerade √§ltere Menschen setzen beispielsweise h√§ufig ihre zur Blutdruckbehandlung eingesetzten wassertreibenden Diuretika ohne R√ľcksprache mit dem Arzt ab, weil sie sich sonst aus Angst vor Inkontinenz nicht mehr aus dem Haus trauen ‚Äď das kenne ich auch zur Gen√ľge von meinen Patienten. Daneben gelten f√ľr bestimmte Risikopatienten, wie z.B. Menschen mit Nierenerkrankungen z.T. etwas strengere Blutdruckzielwerte. Daher bleibt die effektive Blutdruckbehandlung trotz allgemeiner Zielblutdruckwerte eine auf den Patienten und¬†an seine individuelle Lebenssituation anzupassende, in enger Absprache mit dem Patienten durchzuf√ľhrende, √§rztliche Ma√ünahme, die aber extrem lohnenswert ist.

7: Bluthochdruck macht häufig keine Beschwerden

Kennen Sie eigentlich die typischen Symptome f√ľr einen zu hohen Blutdruck? Wahrscheinlich nicht, denn in den meisten F√§llen macht ein zu hoher Blutdruck erstmal gar keine Beschwerden. Das ist t√ľckisch, denn dadurch wird er manchmal erst erkannt, wenn er bereits zu seinen gef√ľrchteten Komplikationen wie¬†Schlaganfall¬†oder Herzinfarkt gef√ľhrt hat. Die meisten Menschen erfahren bei einer Routinekontrolle, dass sie unter einer Hypertonie leiden. Es kann sich zudem oftmals als schwierig erweisen, einen Bluthochdruck auf die Schnelle zuverl√§ssig zu erkennen, da unsere Blutdruckwerte nat√ľrlicherweise stark variieren, im Lauf eines Tages um 30 bis 40 mmHg und somit einzelne Blutdruckwerte oft wenig aussagekr√§ftig sind. Am sichersten ist daher im Zweifel eine 24-st√ľndige¬†Langzeit-RR-Messung.

Wenn es doch mal zu Symptomen kommen sollte, sind diese eher unspezifisch wie z.B.¬†Kopfschmerzen, vor allem im Hinterkopf in den fr√ľhen Morgenstunden, Schwindel, Herzstolpern, Ohrensausen, M√ľdigkeit oder Nasenbluten,¬†aber wie gesagt, derartige Beschwerden sind eher die Ausnahme als die Regel.

8: Ein gesunder Lebensstil kann vor der Einnahme von Medikamenten bewahren

Das ist in vielen F√§llen richtig ‚Äď wer‚Äôs nicht glaubt schaut sich nochmal meinen¬†Beitrag hierzu¬†an!

Ein kluge Ern√§hrung mit Verzehr von reichlich Obst, Gem√ľse und unverarbeiteter, frischer Kost und in vielen F√§llen auch ein Zur√ľckschrauben beim Salzkonsum k√∂nnen den Blutdruck schon bedeutsam senken.

Dauerhaftes Abnehmen ohne Jo-Jo-Effekt ist ebenfalls sehr effektiv! Grob gesagt geht man davon aus, dass der Blutdruck pro kg Gewichtsabnahme um ca. 1 mmHg abfällt.

Und schlie√ülich ist nat√ľrlich k√∂rperliche Aktivit√§t ganz entscheidend! In einer Studie aus dem Jahr 2016 stellten schwedische Forscher fest, dass¬†regelm√§√üige k√∂rperliche Aktivit√§t den systolischen Wert bei Bluthochdruck um durchschnittlich elf Punkte senken kann.¬†

Gerade Menschen, die nur leicht erhöhten oder beginnenden Blutdruck haben, können also durch eine konsequente Lebensstiloptimierung ihre Blutdruckmedikamente wieder loswerden, aber auch Patienten mit ausgeprägtem Bluthochdruck können ihren Hypertonus deutlich besser in den Griff bekommen und ggf. Medikamente einsparen.

9: Ein Handtrainer kann den Blutdruck senken

Gute Nachricht f√ľr Jogging-Muffel: Es muss nicht immer Joggen sein, um sein Soll an k√∂rperlicher Bewegung zur Senkung des Blutdrucks zu erf√ľllen, auch wenn Joggen, und das kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung best√§tigen, ein super Sache ist, nicht nur f√ľr den Blutdruck, sondern vor allem auch f√ľr die Stimmung!

Wichtig ist, √ľberhaupt auf ausreichend k√∂rperliche Aktivit√§t zu kommen!¬†Auch z.B. ein einfaches Training mit einem Handtrainer kann effektiv sein, um den Blutdruck zu senken.¬†In einer Studie von 2016 der Forschergruppe Carlson et al. konnte z.B. einfaches achtw√∂chtiges Training mit einem Handtrainer den systolischen Blutdruck um 7 mmHg senken. Man dr√ľckt das Ger√§t f√ľr zwei Minuten und wechselt dann die Hand. Am besten mehrfach pro Woche f√ľr ca. eine Viertelstunde √ľben, kann man sogar vor dem Fernseher machen.

Auch Kraftsport allgemein kann den Blutdruck auf Dauer senken, wichtig ist hierbei aber auf die Pressatmung zu verzichten, die w√§hrend des Trainings zu gef√§hrlichen Blutdruckspitzen f√ľhren kann. Aus gesundheitlicher Sicht optimal ist eine Kombination aus regelm√§√üigen Ausdauer- und kraftbetonten Sporteinheiten, und Sie ahnen es schon: Auch hierzu gibt es bereits einen Beitrag, den Sie¬†hier¬†finden.

10: Regelmäßiger Check-Up und ggf. Anpassung der Medikamente ist wichtig

So ist es, liebe Zuschauer! Bringen Sie nicht nur Ihren sch√∂nen BMW regelm√§√üig zur Inspektion, sondern g√∂nnen Sie auch Ihrem K√∂rper die entsprechende F√ľrsorge und Pflege. Gehen Sie daher regelm√§√üig zu den¬†von den Krankenkassen ab dem 35. Lebensjahr angebotenen ‚ÄěCheck-up-Untersuchungen‚Äú, bei denen nicht nur der Blutdruck, sondern noch viele weitere wichtige Gesundheitstests durchgef√ľhrt werden. Auf diese Weise k√∂nnen Erkrankungen fr√ľhzeitig erkannt oder noch besser durch rechtzeitiges Gegensteuern sogar komplett verhindert werden.

Liebe Leserinnen und Leser, das war jetzt mal ein kleiner Ritt durch die wichtigsten Basisfakten zum Bluthochdruck. Wenn Sie zu der einen oder anderen Frage tiefer einsteigen wollen, schauen Sie gern einfach in meine anderen Beiträge zum Blutdruck hinein!

Literatur

B√∂rjesson, Mats; Onerup, Aron; Lundqvist, Stefan; Dahl√∂f, Bj√∂rn (2016): Physical activity and exercise lower blood pressure in individuals with hypertension. Narrative review of 27 RCTs. In: British journal of sports medicine 50 (6), S. 356‚Äď361. DOI: 10.1136/bjsports-2015-095786.

Carlson, Debra J.; Inder, Jodie; Palanisamy, Suresh K. A.; McFarlane, James R.; Dieberg, Gudrun; Smart, Neil A. (2016): The efficacy of isometric resistance training utilizing handgrip exercise for blood pressure management. A randomized trial. In: Medicine 95 (52), e5791. DOI: 10.1097/MD.0000000000005791.

Siebenhofer A, Jeitler K, Berghold A, et al. Long-term effects of weight-reducing diets in hypertensive patients.
Cochrane Database Syst Rev. 2011;(9):CD008274

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