Vorderwandinfarkt

Vorderwandherzinfarkt - was ist das genau?

Liebe Zuschauer,

fast jeder von uns kennt jemanden im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis, der schon mal einen Herzinfarkt erlitten hat. Der Begriff „Herzinfarkt“ ist somit auch vielen Nicht-Medizinern geläufig. Ist man aber plötzlich selbst betroffen, begegnen einem die Begriffe „Vorderwandinfarkt“ oder „Hinterwandinfarkt“, wenn der Kardiologe im Gespräch die Infarktursache erklärt. Aber was hat es damit eigentlich auf sich? 

Was passiert eigentlich bei einem Herzinfarkt?

Bei einem Infarktgeschehen ganz allgemein gesprochen existiert eine Engstelle in einem Blutgefäß, genauer gesagt einer Arterie, die sich plötzlich komplett verschließt. In der Regel reißt hierbei eine sog. Plaque, also eine Ablagerung an der Arterienwand, auf und es bildet sich dann durch eine Gerinnselbildung an dieser aufgerissenen Plaque ein Blutgerinnsel, welches schließlich die gesamte Artete verschließt. Der entsprechende Abschnitt des betroffenen Organs, den die Arterie zuvor mit Sauerstoff versorgt hatte, wird nun nicht mehr durchblutet und stirbt allmählich ab. Spielt sich das beschrieben Szenario am Herzen ab handelt es sich um einen Herzinfarkt.

Was sind die typischen Symptome?

Druck auf der Brust, ein Engegefühl so als würde ein Fass um einen herum zugezogen werden, Schmerzen in der Schulter, die sich bis in ein Kribbeln im linken Arm darstellen können, aber auch Schmerzen im Hals, Unterkiefer oder Rücken sind häufig geschilderte Beschwerden die oftmals von einem ausgeprägtem Angstgefühl begleitet werden. Häufig reagiert der Körper aber auch mit Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen. Frauen und ältere Menschen haben oft eher untypische Symptome wie Oberbauchschmerzen und Übelkeit sodass hier der Herzinfarkt oftmals leider erst verzögert diagnostiziert wird.

Versorgungstypen des Herzen

Die Versorgung des Herzens mit Sauerstoff und allen notwendigen Nährstoffen stellen die zwei Herzkranzgefäße, die linke und die rechte Koronararterie, mit ihren zahlreichen Ästen (sogenannte Rami), sicher. Die linke Koronararterie ist meist stärker ausgeprägt als die rechte Koronararterie. Die linke Herzkranzarterie versorgt hauptsächlich die sog. Vorderwand des Herzens, die rechte Koronararterie hingegen zieht zur Hinterwand des Herzens und versorgt dieses Gebiet mit Blut. Wenn die rechte Koronararterie „verstopft“, also komplett verschlossen ist resultiert ein Hinterwandinfarkt, sprich ein Herzinfarkt der Herzhinterwand.

Wie wird ein Vorderwandinfarkt diagnostiziert?

Einen Vorderwandinfarkt, also einen Herzinfarkt im Bereich der sog. Herzvorderwand kann der Arzt meist rasch im EKG erkennen, daher ist es auch so wichtig, dass bei dem leisesten Verdacht auf einen Herzinfarkt innerhalb kürzester Zeit ein EKG geschrieben wird. Dort zeigen sich bestimmte Veränderungen der Herzstromkurve (sog. ST-Streckenhebungen), die sofort auf einen Vorderwandinfarkt hinweisen können. Ergänzt wird die Infarkt-Diagnostik im Krankenhaus durch mehrmalige Laboruntersuchungen der Herzenzyme. Vielleicht haben Sie in diesem Zusammenhang schon einmal von „Troponin“ gehört? Dieses steigt bei einem Herzinfarkt in einem Zeitfenster von insgesamt sechs Stunden an und ist wegweisend für die Diagnose eines Herzinfarktes. Definitiven Aufschluss bringt letztlich die Herzkatheteruntersuchung. Hierbei können die einzelnen Gefäße mit einem Röntgenkontrastmittel unter Röntgendurchleuchtung genau dargestellt und ggf. sogar im gleichen Untersuchungsgang direkt behandelt werden. 

Behandlungsmöglichkeiten

„Zeit ist Muskel“ – dies ist ein ganz wichtiger Leitsatz für Notärzte und uns Kardiologen. Die Behandlung eines Herzinfarktes sollte also nicht erst in der Klinik beginnen, sondern schon bei Eintreffen des Notarztes. Es wird ein venöser Zugang, also eine kleine Plastikspritze zum Verabreichen von Medikamenten in die Vene gelegt, Blut abgenommen, ein EKG geschrieben, Blutdruck, Puls und die Sauerstoffsättigung gemessen und der Oberkörper hochgelagert. Falls erforderlich erfolgt eine Sauerstoffgabe, dies aber neuerdings nur dann, wenn die Sauerstoffaufnahme des Patienten stark beeinträchtigt ist. Frühzeitig werden die ersten Medikamente gegeben, um dem Patienten eine Linderung seiner Beschwerden zu verschaffen und somit letztlich auch das Herz vor unnötigem Stress zu schützen.

Im Krankenhaus wird dann unverzüglich eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, um keine Zeit zu verlieren. Oberste Priorität hat hierbei die schnellstmögliche Revaskularisation. Was heißt das genau?

Bei einem Infarktgeschehen ganz allgemein gesprochen existiert ja eine Engstelle im Blutgefäß, einer Arterie, die sich plötzlich komplett verschließt (s.o). Der komplette Verschluss einer Herzkranzarterie führt dann akut, also ganz plötzlich zu einem Herzinfarkt und es droht das unwiederbringliche Absterben von großen Teilen des Herzmuskels, was schließlich zur Ausbildung einer Herzschwäche und sogar zum Tod führen kann.

Das wollen wir natürlich verhindern, daher streben wir die sogenannte Revaskularisation an. Das könnte man mit „Wiederherstellung der Durchblutung“ übersetzen. Diese wird in aller Regel durch eine Notfall-Herzkatheteruntersuchung erreicht. Hierbei werden die Herzkrankzarterien mit einem Röntgenkontrastmittel unter Röntgendurchleuchtung dargestellt. Eine Engstelle oder sogar ein kompletter Verschluss einer Koronararterie kann dann durch den Vorschub eines feinen Drahtes durch die Engstelle bzw. den Verschluss mit nachfolgendem Aufblasen eines kleinen Druckballons wiedereröffnet werden. Durch anschließendes oder direktes Einsetzen eines Stents, eines kleinen metallischen Stützgerüsts, kann dann diese Stelle auch dauerhaft stabilisiert werden, damit sie sich nicht erneut verengt.

Grundsätzlich kann eine solche „Revaskularisation“ auch durch eine sog. Bypass-Operation erreicht werden, im akuten Herzinfarkt ist die Herzkatheteruntersuchung aber die schnellere und effektivere Methode und kommt daher notfallmäßig zum Einsatz.

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