Vorhofflimmern und Sport

Mit Sport dem Vorhofflimmern auf den Pelz rücken: Die CARDIO-FIT Studie

Vorhofflimmern durch Lebensstil heilen, das ist sehr oft möglich!

Nachdem ja über die letzten Jahrzehnte mit relativ geringem Erfolg vor allem versucht worden ist Herzrhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern mit Medikamenten zu begegnen, zeigen aktuell mehrere neuere Studien beeindruckende Erfolge präventiver, den Lebensstil betreffender Massnahmen.

In der sog. Legacy-Studie konnte ja bereits eindrucksvoll gezeigt werden, dass durch eine anhaltende Gewichtsreduktion eine dramatische Abnahme von Vorhofflimmerepisoden erreicht werden kann. Fast die Hälfte der Patienten, genau genommen 46 Prozent, denen es gelang ihr Gewicht dauerhaft um 10 Prozent zu senken waren nach fünf Jahren Vorhofflimmer-frei verglichen mit nur 13 bzw. 22 Prozent bei fehlender oder nur moderater Gewichtsreduktion.

Bereits bekannt ist, dass auch körperliche Fitness einen Schutzfaktor vor Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Todesfällen darstellt. Körperlich fitte Menschen erkranken somit auch seltener an Vorhofflimmern. Unklar war bislang jedoch ob Patienten, die bereits an Vorhofflimmern leiden, durch einen guten Trainingszustand einen positiven Effekt in Bezug auf ihre Vorhofflimmer-Episoden erreichen können. Genau diese Frage konnte nun eindrucksvoll in der CARDIO-FIT-Studie an 308 übergewichtigen Patienten mit Vorhofflimmern geklärt werden. Innerhalb der untersuchten Patientengruppe fanden sich 95 Patienten in schlechtem, 134 Patienten in adäquatem und 79 Patienten in überdurchschnittlichem Trainingszustand.

Nach einer durchschnittlich vierjährigem Beobachtungszeit konnte durch ein strukturiertes, regelmäßiges Ausdauer- und/oder Krafttraining mit niedriger bis mäßiger Intensität (60 bis 200 Minuten Sport auf 3–5 Tage pro Woche verteilt) die körperliche Fitness der Probanden gesteigert und das Auftreten von Vorhofflimmerepisoden, welches über ein 7-Tage-EKG sowie entsprechende Fragebögen zur Beschwerdefreiheit dokumentiert wurde, dramatisch reduziert werden. Unterschieden wurden hierbei die Patienten, die am Ende der Studie ihre Ausdauer um mehr als 2 sog. Metabolische Äquivalente* verbessern konnten, gegenüber Patienten, denen dies nicht gelang. Dabei waren am Ende der Studie diejenigen Patienten, die eine Steigerung ihrer Fitness um mehr als 2 MET erreichten, in 61% frei von Vorhofflimmern, verglichen mit nur 18% in der Gruppe der Patienten, denen dies nicht gelang.

Durch eine Kombination von Lebensstilmaßnahmen kann Vorhofflimmern besonders gut beeinflusst werden: Patienten, denen es gelang ihre Körperliche Leistungsfähigkeit um über 2 MET zu verbessern und gleichzeitig ihr Gewicht um 10 Prozent zu reduzieren blieben in 76% frei von Vorhofflimmern, verglichen mit 44% bei den Patienten mit einem erreichten Gewichtsverlust von 10% ohne gleichzeitige Verbesserung der Fitness. Umgekehrt konnten Patienten ohne erreichten 10%igen Gewichtsverlust ihre Chance auf Rezidivfreiheit von 13 auf 37% durch Verbesserung der Fitness mehr als verdoppeln.

Zusammenfassend kann man also feststellen, dass eine Kombination eines andauernden Gewichtsverlustes beim übergewichtigen Patienten in Kombination mit regelmäßigem körperlichen Training das mit Abstand effektivste „Antiarrhythmikum“, also den besten Schutz vor Herzrhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern, darstellt.

 

*MET, Metabolic Equivalent of Task, 1 MET entspricht dem Umsatz von 3,5 ml Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht pro Minute bei Männern, dies entspricht in etwa dem Ruheumsatz des Körpers. Moderate körperliche Aktivität hat etwa einen Energieverbrauch von 3 bis 6 METs, intensive Anstrengungen hingegen über 6 METs; Quelle: Wikipedia

Quelle: JACC 2015; online Juni, Kongress EHRA EUROPACE – CARDIOSTIM 2015, Mailand, 21.–24. Juni 2015

 

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