Die Schaufensterkrankheit (PAVK)

Extrem häufig – und leider auch extrem häufig unterschätzt – Die Schaufensterkrankheit, medizinisch periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

Was macht die PAVK, die “Schaufensterkrankheit” so gefährlich und könnten vielleicht auch Sie betroffen sein?

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

die Atherosklerose, also die zunehmende entzündliche Verhärtung, Verengung und Verkalkung unserer Arterien, ist die weltweit größte Bedrohung für unsere Gesundheit. Sie betrifft alle unsere Arterien und kann daher zeitgleich in verschiedenen Organen auftreten und diese dann durch eine eingeschränkte Durchblutung schädigen. Während die Bedrohung durch Herzinfarkt und Schlaganfall den meisten Menschen sehr präsent ist, wird eine weitere durch diese Atherosklerose bedingte Erkrankung deutlich unterschätzt – und das obwohl die betroffenen Menschen das höchste Sterberisiko unter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Die Rede ist von der sog. PAVK, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, im Volksmund auch als „Schaufensterkrankheit“ bekannt.

Schätzungen gehen davon aus, dass 20% der Patienten, die eine Hausarztpraxis aufsuchen, eine solche PAVK haben, ohne davon zu wissen! Es handelt sich also um eine wirkliche Volkskrankheit mit leider sehr hoher Dunkelziffer. Dabei ist die frühzeitige Diagnose dieser Erkrankung extrem wichtig, um das Voranschreiten rechtzeitig und effektiv aufzuhalten und v.a. auch Komplikationen der Atherosklerose an anderen Organen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall, zu verhindern!

Aber was passiert da eigentlich genau in den Beinarterien und wieso wird diese Krankheit als “Schaufensterkrankheit“ bezeichnet?!

Unsere Muskulatur ist zur Deckung ihres Sauerstoffbedarfs auf eine ausreichende Durchblutung angewiesen. Dabei steigt der Sauerstoffbedarf, wenn die Muskulatur aktiv ist, also z.B. wenn wir gehen.

Liegt nun eine Verengung der Beinarterien durch Ablagerungen an den Arterienwänden vor, also die bereits besprochene Plaquebildung bei Atherosklerose, dann kann dieser Sauerstoffmehrbedarf der Beinmuskulatur beim Gehen nicht mehr ausreichend gedeckt werden. Der Muskel übersäuert und die betroffenen Menschen müssen nach kurzer Gehstrecke stehen bleiben und eine Pause machen, damit sich die Muskulatur erholen kann. Diese Pause nutzen sie z.B. um in ein Schaufenster schauen – daher also der Name „Schaufensterkrankheit“.

Die periphere art. Verschlusskrankheit verläuft in 4 Stadien, im ersten Stadium bestehen bereits Veränderungen der Arterien mit der besprochenen Plaquebildung aber es werden noch keine Schmerzen verspürt. In den fortgeschrittenen Stadien kommt es dann zu Schmerzen in den Waden, den Oberschenkeln oder sogar der Pomuskulatur mit einer zunehmenden schmerzbedingten Abnahme der Gehstrecke. Schließlich können dann im fortgeschrittenen Stadium sogar schon in Ruhe Schmerzen auftreten und Komplikationen der eingeschränkten Durchblutung bis hin zum Absterben von Gewebe mit dann notwendigen Amputationen.

Lassen Sie es nicht so weit kommen! Die Atherosklerose und damit auch die PAVK, also die „Arterienverkalkung“ lässt sich durch einen klugen Lebensstil mit Verzicht auf das Rauchen, ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung und Kontrolle von Blutdruck und Cholesterinwerten effektiv verhindern bzw. aufhalten.

Wichtig ist v.a. auch die Erkrankung frühzeitig festzustellen, um konsequente Gegenmaßnahmen einleiten zu können und Komplikationen, auch solche an anderen Organen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall, vermeiden zu können. Die PAVK ist durch eine einfache, in 5 Minuten beim Arzt durchzuführende Untersuchung durch Blutdruckmessung am Arm und am Bein oberhalb des Knöchels leicht und schmerzfrei festzustellen! Wird am Bein ein niedrigerer Blutdruck als am Arm gemessen muss von einer Durchblutungsstörung ausgegangen werden. In diesem Fall muss dann mit weiterführenden Untersuchungen, wie einem Blutgefäßultraschall, das genaue Ausmaß der Erkrankung ermittelt werden.

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,
sollten Sie von einer PAVK betroffen sein haben Sie die Möglichkeit den weiteren Verlauf Ihrer Erkrankung entscheidend positiv zu beeinflussen. Zusammen mit Ihrem Arzt können Sie einen Behandlungsplan entwickeln zu dem neben den im Vordergrund stehenden Verbesserungen im Lebensstil auch weitere technische und medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zur dauerhaften Verbesserung der Durchblutungssituation Ihrer Beine gehören können. Ihr behandelnder Arzt wird Sie hierzu bestens aufklären können.

Bis dahin, bleiben Sie schön gesund, Ihr Dr. Heart!

 

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