Hypertonus – Ursachen und Zielwerte

Woher kommt mein Bluthochdruck, wie kann ich ihn feststellen und vor allem was muss ich tun?!

Woher kommt denn nun überhaupt ein Bluthochdruck?! Die ehrliche Antwort ist, dass auch wir Mediziner das in den meisten Fällen nicht wirklich wissen, denn in 9 von 10 Fällen kann keine Ursache für den erhöhten Blutdruck gefunden werden, man geht dann von einem Zusammenspiel vieler verschiedener, vor allem auch erblicher Faktoren aus und nur in einem von 10 Fällen findet sich eine andere Erkrankung, die für die erhöhten Blutdruckwerte verantwortlich ist. Dann spricht man auch von einem sog. sekundären Bluthochdruck. Ursachen hierfür können z.B. Nierenerkrankungen, und zwar sowohl der Nieren selber als auch der Nierenarterien, sein, verschiedene Hormonerkrankungen aber auch eine Reihe von Medikamenten sein. Relativ häufig sind sog. schlafbezogene Atmungsstörungen, wie das sog. Schlafapnoesyndrom Ursache für einen sekundären Bluthochdruck. Falls ihr Partner schon einmal festgestellt hat, dass Sie im Schlaf eine unregelmäßige Atmung mit längeren Atemaussetzern gefolgt von lauten Schnarchgeräuschen haben, sollten Sie dies unbedingt mit ihrem behandelnden Arzt besprechen und der wird dann ggf. weiterführende Untersuchungen veranlassen, um auszuschließen, dass ein solches SAS Ursache ihres Bluthochdruckes ist.

Wichtig ist auch dass Sie wissen, dass der Blutdruck eine sehr dynamische Größe und nicht in Stein gemeißelt ist. Über das sog. vegetative Nervensystem wird er z.B. durch Stresseinfluss oder bei körperlicher Belastung erhöht, wenn Sie sich zum Beispiel über ihren Ehemann ärgern, der seit 4 Tagen den Müll nicht rausgebracht hat, dann ist ein erhöhter Blutdruckwert bis zu einem gewissen Grad eine normale Reaktion und eben nicht krankhaft. Deshalb ist auch ein einzelner Wert immer relativ wenig aussagekräftig, sondern man sollte für die Diagnosestellung mindestens 3 Messungen in Ruhe an 2 verschiedenen Tagen durchführen und dann einen Mittelwert bilden.

Und wann ist denn nun der Blutdruck zu hoch?! Hier hat in den letzten Jahren bezüglich der Empfehlungen durch die neuen europäischen Leitlinien eine deutliche Vereinfachung stattgefunden, so dass Sie sich jetzt eigentlich nur noch einen einzigen Wert merken müssen: Für fast alle Patienten gilt nun, dass der gemittelte Blutdruckwert unter 140/90 mmHg liegen sollte. Wenn Sie älter als 80 Jahre sind genügt auch ein Wert unter 150/90 mmHg. Der mittels Langzeitblutdruckmessung oder von Ihnen selbst durch wiederholte Messungen ermittelte Mittelwert sollte jeweils noch 5 mmHg unter diesen genannten Werten liegen. Liegt der bei uns ermittelte Mittelwert also darüber, dann haben wir einen Bluthochdruck und müssen ihn behandeln. Dabei können wir es oft schaffen durch Verbesserung unserer Lebensführung wie eine dauerhafte Gewichtsreduktion und mehr Sport und Bewegung im Alltag unseren Blutdruck wieder in den normalen Bereich zu senken, meist ist aber eine zusätzliche Behandlung mit Blutdrucktabletten notwendig. Hierbei hat ihr Arzt eine große Auswahl an gut verträglichen Medikamenten aus denen er die für Sie passendsten wählen kann.

Sie merken sich: Der Bluthochdruck ist weltweit der größte Killer, einen erhöhten Blutdruck zu senken ist extrem wichtig und für Sie die beste Lebensversicherung, und mit unter 140/90 mmHg sind Sie dabei!

 

Aktueller Hinweis:

Nach den Ergebnissen der kürzlich veröffentlichten SPRINT-Studie, die die herkömmlich angestrebte Blutdrucksenkung auf unter 140 mmHg mit einer intensiveren Blutdrucksenkung mit einem Zielblutdruck von unter 120 mmHg im Hinblick auf Komplikationen wie das Auftreten von Herzinfarkt, akutem Koronarsyndrom, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder Tod aus anderer kardiovaskulärer Ursache an 9361 Patienten verglichen hat erscheint zumindest für viele “Hochrisikopatienten” eine intensivere Absenkung des Blutdruckes auf systolisch unter 120 mmHg von Vorteil zu sein.

Nach einer Behandlungszeit von 3,26 Jahren traten oben genannte Komplikationen um 25% seltener unter der intensiveren Blutdrucksenkung auf (1,65% pro Jahr im Vergleich zu 2,19% pro Jahr) und auch die Gesamtsterblichkeit war um 27% vermindert. Wermutstropfen waren allerdings die im intensiveren Behandlungsarm häufiger aufgetretenen Nebenwirkungen wie Hypotonie, Ohnmachtsanfall, Störungen der Blutsalze und Nierenversagen.

Letztlich bleibt hier abzuwarten und auch individuell von Patient zu Patient zu entscheiden, welches die beste Strategie ist.

 

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