Bempedoinsäure – Statin-Alternative?

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

es tut sich wieder sehr viel im hitzig diskutierten Bereich Cholesterin und Cholesterinsenkung. Die Standardmedikamente zur Absenkung erhöhter Cholesterinwerte,  sind ja bislang die Statine. Und die gehören ja nicht gerade zu den beliebtesten Medikamenten, zum einen wegen doch immer wieder beklagter Nebenwirkungen wie Muskelbeschwerden, zum anderen aber auch nicht zuletzt durch zweifelhafte Berichterstattungen in den Medien, Stichwort „die Cholesterinlüge“, über die ich ja auch schon einen interessanten Clip gemacht habe, schauen Sie mal rein.

Jetzt bekommen die Statine Konkurrenz durch eine ganze Reihe neuer cholesterinsenkender Medikamente, eines davon ist die sog. Bempedoinsäure, die seit November 2020 auf dem Markt ist. Was hat es mit diesem Wirkstoff auf sich und bietet er vielleicht unter Umständen auch eine Alternative für die teils wenig geliebten Statine? Diese Frage beantworten wir in diesem Video!

Und eins noch gleich vorweg, sehr wichtig bei diesem sehr leidenschaftlich diskutiertem Cholesterin-Thema: Dieses Video wurde von mir persönlich ohne irgendwelches Pharma-Sponsoring oder Einflussnahme Dritter angefertigt!

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

Cholesterin, vielmehr das allseits bekannte LDL-Cholesterin, das als sog. Lipoprotein verpackt  in unserem Blut herum schwimmt und sich eben leider auch in unsere Arterienwände einlagert, ist einer der wichtigsten Risikofaktoren der Arteriosklerose, der „Arterienverkalkung“, deren Folgen wie Herzinfarkt und Co. immer noch die häufigsten Todesursachen darstellen. Aus diesem Grund macht es also Sinn, und das ist breiter wissenschaftlicher Konsens, dieses LDL-Cholesterin im Blut möglichst niedrig zu halten.

Die Realität sieht allerdings so aus, dass geschätzt über 80% der Patienten aktuell die für sie empfohlenen LDL-Cholesterin-Zielwerte nicht erreichen, was zum Teil auch daran liegt, das viele Menschen die Behandlung mit Statinen aufgrund geschilderter Unverträglichkeiten wie Muskelbeschwerden ablehnen.

Nun gibt es eine neue gerade zugelassene Substanz, die das LDL-Cholesterin durch eine Hemmung der körpereigenen Cholesterinbildung in unserer Leber, ganz ähnlich den Statinen, zusätzlich absenken kann, die sog. Bempedoinsäure.

Bempedoinsäure hemmt hierbei mit der sog. ATP-Citrat-Lyase ein Enzym, welches im gleichen Stoffwechselweg der Cholesterinbildung wie die Statine jedoch 2 Schritte vorher ansetzt. Ähnlich der Enzym-Blockade durch Statine kommt es also auch durch die Bempedoinsäure zu einer verringerten körpereigenen Cholesterin-Bildung mit dann folglich vermehrter Bildung von LDL-Cholesterin-Rezeptoren, die somit dann mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut fischen und so unseren Cholesterinspiegel absenken.

Soweit so gut, aber man fragt sich jetzt natürlich wo denn nun der springende Vorteil liegen dieser neuen Substanz liegen soll, wenn sie mehr oder weniger den gleichen Ansatzpunkt, nämlich den gleichen Stoffwechselweg, wie die altbekannten Statine hat?!

Zum einen ist es ja wie gesagt so, dass viele Patienten sogar mit einem Statin plus ggf. weiteren Cholesterinsenkern ihre angestrebten LDL-Cholesterin-Zielwerte nicht erreichen. Hier kann dann ggf. durch die moderate zusätzliche LDL-Senkung durch Bempedoinsäure, quasi on top auf die bestehende Statintherapie, oftmals doch noch der LDL-Zielwert erreicht werden.

Zum anderen weist die neue Substanz einen ganz entscheidenden Vorteil auf: Bempedoinsäure ist ein sog. Prodrug, sprich es muss erst durch ein anderes Enzym (die sog. „Very-long-chain acyl-CoA synthetase 1“) aktiviert werden. Und die findet sich in der Leber, aber eben nicht im Muskel.  Im Unterschied zu Statinen werden somit Nebenwirkungen am Muskel verhindert, was diesen neuen Wirkstoff sehr gut verträglich macht.

Somit ergeben sich also im Wesentlichen 2 Einsatzgebiete für die Bempedoinsäure, die unter dem Handelsnamen NILEMDO, bzw. als Kombinationspräparat mit dem Cholesterinaufnahmehemmer Ezetimib als NUSTENDI vertrieben wird:  Einblenden Infobox mit Handelsnamen

  • Erwachsene, die mit einem Statin plus ggf. weiteren Cholesterinsenkern ihre angestrebten LDL-Cholesterin-Zielwerte nicht erreichen und
  • für Patienten, die Statine aufgrund einer Kontraindikation oder einer Unverträglichkeit, wie eben z.B. schweren Muskelbeschwerden, nicht dauerhaft einnehmen können.

Wie gut wirkt Bempedoinsäure? Die cholesterinsenkende Wirkung hängt natürlich wesentlich davon ab, ob die Substanz allein oder in Kombination mit einem Statin bzw. Ezetimib eingesetzt wird und reicht von 28,5% wenn Bempedoinsäure zusammen mit Ezetimib bei Patienten unter fehlender oder nur niedrig-dosierter Statintherapie eingesetzt wird, (im Vergleich gegenüber der alleinigen Behandlung mit Ezetimib) bis hin zu 12,6% zusätzlicher LDL-Senkung bei Patienten, die schon wirksam auf Statine eingestellt sind aber hierunter ihre Zielwerte noch nicht erreicht haben. Bempedoinsäure allein senkt in der Monotherapie gegenüber Placebo das LDL um 22,1%.

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

wie ordne ich persönlich diesen neuen Wirkstoff nun ein?  Aufgrund der ausgeprägteren Wirkung bei Patienten, die keine Statine erhalten, sehe ich hier v.a. eine neue Behandlungsalternative für Menschen, die Statine nicht einnehmen können oder aufgrund der häufig beklagten Muskelbeschwerden nicht tolerieren.

Gleichzeitig muss hier allerdings auch deutlich gesagt werden, dass diese Beschwerden, also die beklagten Statin-Unverträglichkeiten, in 9 von 10 Fällen einem sog. Nozebo-Effekt geschuldet sind, sprich bedingt durch die negative Erwartungshaltung dieser leider sehr umstrittenen Substanzgruppe gegenüber.

Nichts desto trotz, Nozeboeffekt hin oder her bleiben diese geschilderten Statinunverträglichkeiten ein Problem und führen im realen Leben letztlich auch mit dazu, dass die meisten Menschen ihre LDL-Zielwerte nicht erreichen. Und hier denke ich kann Bempedoinsäure eine oftmals sinnvolle Behandlungsalternative bieten.

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

das war es schon wieder von meiner Seite! Sie sehen es tut sich also  aktuell wieder eine Menge im Bereich der Blutfette und viele weitere interessante Wirkstoffe sind in der Pipeline, wir dürfen also sehr gespannt sein.

Nichts desto trotz: Absolute Basis zur Risikoreduktion und Vermeidung von Herzinfarkt und Co. bleibt natürlich unser herzgesunder, kluger Lebensstil!

Was denken Sie zum Thema Cholesterinsenkung, haben Sie vielleicht schon Ihre Erfahrungen mit dem neuen Wirkstoff gesammelt? Ich freue mich auf Ihre immer schön respektvollen Kommentare auch bei diesem etwas emotionalem Thema,

Bis dahin,

bleiben Sie schön gesund,

Ihr Dr. Heart 😉

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