Herzschäden nach Corona?

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,

aus meiner wundervollen Heimatstadt Berlin gingen an diesem Wochenende aus meiner Sicht beunruhigende Bilder um die Welt: Abertausende Menschen, die überwiegend ohne Masken und ohne Einhaltung der üblichen Abstandsregeln gegen die Corona-Beschränkungen protestierten.

Rational gibt es dafür aus meiner Sicht leider keinen Grund, denn an den grundsätzlichen Umständen, nämlich der ungebrochenen Gefährlichkeit des Corona-Virus und v.a. der Tatsache, dass wir nach wie vor weder eine wirksame Behandlungsform noch eine Impfung gegen das Virus haben, hat sich bis dato leider noch nichts geändert.

Jetzt gibt es neue, doch etwas beunruhigende Studiendaten, die belegen, dass wir selbst bei milden Verläufen einer Coronavirusinfektion ggf. mit dauerhaften Herzschäden rechnen müssen.

Was steckt dahinter?

Eine neue im JAMA cardiology veröffentlichte Studie aus Frankfurt zeigt, dass bei der Mehrzahl der Menschen, die sich bereits von einer Coronavirusinfektion erholt hatten, selbst bei einem leichten Verlauf der Infektion, im MRT des Herzens Herzschäden, bzw. Auffälligkeiten nachgewiesen werden konnten.

Kardiologen um eine gewisse Fr. Dr. Puntmann von der Uniklinik in Frankfurt haben insgesamt 100 Patienten im Schnitt 71 Tage nach ihrer COVID-19-Diagnose mittels Magnetresonanztomographie des Herzens untersucht.

Das Herz-MRT, also die Magnetresonanztomographie ist eine hervorragende Methode um Auffälligkeiten bzw. Veränderungen, wie entzündliche Prozesse im Herzmuskel aufzuspüren.

Das interessante und gleichzeitig auch beunruhigende war nun, dass auch nach im Schnitt 71 Tagen 60% der Patienten im MRT noch Anzeichen für eine myokardiale Inflammation, sprich eine noch aktive Entzündung des Herzens hatten.

Insgesamt konnten die Forscher bei über drei Viertel der Patienten, nämlich bei 78%, die eine Coronavirus-Infektion überstanden hatten, im späteren Verlauf Auffälligkeiten in der Magnetresonanztomographie des Herzens feststellen.

Was waren das für Veränderungen?

Typische Veränderungen waren:

  • eine diffuse Myokardfibrose und/oder Ödeme (bei 73 bzw. 60 Patienten), sprich Flüssigkeitseinlagerungen in das Herzgewebe und Einlagerungen von Bindegewebsfasern
  • Vernarbungen im Herzmuskel als auch im 
  • sog. Perikard, also dem Herzbeutel (perikardiales LGE, n=22).

Als Ursache für die meisten abnormalen MRT-Befunde vermuten die Kollegen eine anhaltende Entzündung des Herzbeutels und des angrenzenden Herzmuskels, medizinisch Perimyokarditis.

Das sind natürlich erst einmal alles nur Untersuchungsbefunde, entscheidend ist natürlich viel mehr wie sich die Menschen nach überstandener COVID-19-Erkankung fühlen.

Hier war es so, dass von den untersuchten 100 Patienten 17 Patienten noch über anhaltende Brustschmerzen berichteten, 20 litten unter Palpi­tationen (Herzstolpern), 36 klagten über Luftnot oder eine seit der Infektion andauernde Erschöpfung.

Nun würde man ja instinktiv erwarten, dass diese Veränderungen, die man in der MRT finden konnte, besonders die schwer erkrankten Patienten, die im Krankenhaus betreut werden mussten und vielleicht sogar beatmet werden mussten betraf.

Dem war aber nicht so: Sprich die beobachteten Veränderungen am Herzen waren in dieser Studie unabhängig von Vorerkrankungen oder der Schwere des Erkrankungsverlaufs.

Wie genau es zu diesen Veränderungen kommt ist allerdings auch nach dieser Studie vorerst noch unklar.

Drei der Patienten, die besonders extreme Veränderungen im MRT aufwiesen erhielten eine Herzmuskelbiopsie und siehe da: Tatsächlich ließ sich eine aktive Entzündung mit Einwanderung von Entzündungszellen (sog. Lymphozyten) feststellen. Interessanterweise ließ sich aber bei diesen Patienten kein Erbgut des Virus, kein Virusgenom nachzuweisen.

Das legt die Vermutung nahe, dass die langfristigen Veränderungen am Herzen wahrscheinlich auf eine Entzündungsreaktion zurückzuführen sind, die anfangs durch die Virusinfektion getriggert, also ausgelöst wurde, die sich dann aber im Verlauf auch ohne das Virus gewissermaßen verselbstständigt, genauso wie man das ja auch bereits von anderen Formen der Herzmuskelentzündung kennt.  

Letztlich bleibt aber bis dato weiterhin noch unklar in wie weit und wie häufig das Coronavirus selber aktiv eine Herzmuskelentzündung hervorrufen kann. Schwere, akute Verlaufsformen einer vermeintlich durch das Coronavirus verursachten typischen Herzmuskelentzündung werden bislang nur selten beobachtet.

Auch was diese im MRT nachgewiesenen Veränderungen nun auf Dauer für die Prognose bzw. die Lebenserwartung und Lebensqualität betroffener Menschen bedeuten bleibt bis dato leider noch völlig unklar. Die Herzleistung der betroffenen Menschen zeigte sich zwar signifikant aber letztlich nur um wenige %Punkte vermindert zur Kontrollgruppe.

Letztlich brauchen wir also noch mehr Langzeitbeobachtungsstudien um wirklich beurteilen zu können wie sich diese Veränderungen über eine längere Beobachtungszeit verhalten und ob und wenn ja welche langfristigen Einschränkungen und Komplikationen für unser Herz-Kreislauf-System nach einer COVID-19-Erkrankung zu erwarten sind.

Was wir, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, aber sicherlich jetzt schon mit nachhause nehmen können sind aus meiner Sicht 2 Dinge:

Zunächst einmal gibt es keinen Grund zur  Panik denn die langfristige Relevanz dieser neuen Daten kann aktuell überhaupt noch nicht eingeschätzt werden.

Aber: Nach wie vor gibt es eben keine Grund dieses Virus zu verniedlichen, gerade auch weil uns wie diese Studie schön aufzeigt mögliche Langzeitfolgen noch nicht klar sind.

Für uns alle sollte das einmal mehr Motivation sein unsere Hygieneregeln weiter konsequent durchzuziehen, zu unserem eigenen Schutz, v.a. aber auch zum Schutz und als Zeichen des Respekts vor unseren Mitmenschen, die wir nicht leichtfertig gefährden sollten.

Also auch wenn  uns das im Alltag gerade auch in diesen schönen Sommertagen oftmals schwer fällt, weiter AHA…

Also in diesem Sinne halten wir als Gesellschaft auch in diesen verrückten Zeiten weiter alle zusammen,

das war’s von meiner Seite..

 

Photo by Paul Merki on Unsplash

 

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