Psychokardiologie

Liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer,
 
heute möchte ich Ihnen von einer sehr eindrücklichen Erfahrung erzählen, die ich vor vielen Jahren als damals noch junger Stationsarzt erlebt habe und die mich sehr geprägt hat. Eine sehr nette ältere Dame brach plötzlich auf den Stationsflur zusammen, nachdem sie vom Tod ihres geliebten Ehemannes erfahren hatte. Nachdem sämtliche Befunde inklusive des EKG und der Blutwerte auf einen akuten Herzinfarkt hindeuteten haben wir natürlich sofort eine notfallmäßige Herzkatheteruntersuchung durchgeführt aber: Entgegen unsere Erwartungen fanden wir keine verschlossene Herzkranzarterie vor, wie man das ja bei einem akuten Herzinfarkt erwarten würde sondern eine Aufweitung und völlige Bewegungsstarre der Herzspitze. Und dieser Befund ist ganz typisch für das sogenannte broken heart syndrom“, von dem Sie vielleicht auch schon mal gehört haben. Als Ursache dieses “broken heart syndromes” wird eine Schädigung des Herzmuskels aufgrund eines Überschusses an Stresshormonen vermutet. Und bei diesem Erlebnis ist mir das erst mal so wirklich vor Augen geführt worden welchen starken Einfluss unsere Psyche auf unseren Körper speziell auch auf unser Herz ausüben kann.
 
Aber wie kann man sich das vorstellen, wie können Gefühle wie können Gedanken einen solchen Einfluss auf unseren Körper ausüben?
 
Körper und Geist beeinflussen sich wechselseitig auf verschiedenste Art und Weise. Zum einen, und das finde ich ist noch am ehesten nachzuvollziehen, ist es natürlich so, dass sich unser psychisches Befinden auf unser Verhalten, speziell auch auf unser Gesundheitsverhalten auswirkt: Unter einer Depression oder bei Dauerstress schlafen wir schlechter, wir achten vielleicht weniger auf eine gesunde Ernährung, wir bewegen uns weniger, wir rauchen mehr und wir führen vielleicht auch notwendige medizinische Behandlungsmaßnahmen nicht durch. Zum anderen gibt es aber auch direkt messbare Effekte unserer Psyche auf unseren Körper. Die können im Einzelfall akut sehr sinnvoll sein, auf Dauer schaden sie aber unserem Körper eher. Bestes Beispiel hierfür ist unsere körperliche Reaktion auf alle möglichen Arten von Stressreizen.
 
Stress als Alarmreaktion unseres Körpers half uns ja in den Jahrtausenden der menschlichen Evolution zu überleben indem in lebensbedrohlichen Situationen von Kampf oder Flucht in Millisekunden alle Energie und Abwehrmechanismen bereitgestellt wurden, die wir benötigten im Kampf gegen den Säbelzahntiger. Unser sympathische Nervensystem wird aktiviert und dann werden Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol in die Blutbahn ausgeschüttet. Die Folge kennen Sie alle: Unser Herz fängt an zu rasen, unser Blutdruck steigt und unsere Blutgerinnung und unser Immunsystem werden aktiviert falls wir Verletzungen erleiden und Keime und Bakterien über Wunden in die Blutbahn gelangen. Und diese gleiche Stressreaktion, die unseren Vorfahren ja oftmals das Leben rettete, die läuft natürlich auch heute noch genauso in uns ab ist aber heute natürlich nicht immer sinnvoll weil sich ja unsere Lebenswelt komplett verändert hat. Man könnte auch sagen wir bräuchten hier mal ein dringendes “Software-update” für unsere Stressreaktionen denn natürlich können wir unseren Chef nicht einfach erlegen wie ein Raubtier und ein Puls von 160 ist auch nicht unbedingt förderlich, wenn wir eine Rede vor Publikum halten wollen. Im Gegenteil: Wenn wir ständig im Alarmmodus sind und dazwischen keine wirklichen Erholungsphasen finden, dann wird natürlich Dauerstress zur ernsthaften Gefahr für unsere Gesundheit, speziell auch für unser Herz, denn über einen ständig erhöhten Blutdruck, über erhöhte Blutzuckerwerte, über eine Aktivierung der Blutgerinnung und auch über latent ständig ablaufende kleine Entzündungsreaktionen in unserem Körper wird natürlich die Arteriosklerose, also die zunehmende Verhärtung und Verkalkung unserer Arterien gefördert und die Folge kennen Sie alle: Dann drohen natürlich Herzinfarkt und Schlaganfall.
 
Und letztlich führen auch Ängste und Depressionen zu ganz ähnlichen Reaktionen in unserem Körper. Und somit führen also Dauerstress, Schlafstörungen, Ängste, Depressionen und auch Einsamkeit, die ja in unserer Gesellschaft extrem verbreitet sind, nicht nur zu großem individuellen Leid der betroffenen Personen, sondern sie stellen auch einen wirklich ausgeprägten Risikofaktor für unsere Herzgesundheit dar, auch wenn wir diese Faktoren vielleicht nicht so gut messen können wie einen erhöhten Cholesterinwert oder einen Blutdruckwert. Aber nicht nur unsere Psyche beeinflusst unsere Gesundheit sondern umgekehrt kann natürlich auch eine schwere Herzerkrankung unser psychisches Wohlergehen beeinflussen. Man weiß zum Beispiel, dass in der ersten Woche nach einem Herzinfarkt bei fast der Hälfte der betroffenen Menschen Symptome einer Depression zu finden sind und gerade auch Menschen mit einer schweren Herzschwäche leiden extrem häufig an einer Depression, die umso schwerer verläuft und umso häufiger auftritt je schwerer die Herzschwäche ausgeprägt ist.
 
Hat man erst einmal etwas mit dem Herzen gehabt, also zum Beispiel einen Herzinfarkt erlitten, dann neigen auch sehr viele Menschen dazu jede Empfindung im Brustraum ängstlich zu beobachten und zu bewerten und auf das Herz zu projizieren. Und auch solche Beschwerden, die mit dem Herzen in der Regel überhaupt gar nichts zu tun haben, wie zum Beispiel ein geringes Stechen in der Brust oder durch Bewegung oder Druck ausübbare Beschwerden werden dann auf das Herz projiziert und können dann Angst und Panikreaktionen hervorrufen, obwohl es überhaupt nicht zu einer neuen Schädigung des Herzens gekommen ist.
 
Und hier können betroffene Menschen lernen ihre körpereigene Wahrnehmung wieder richtig zu interpretieren also richtig einzuordnen und Beschwerden wie sie bei einer organischen Herzerkrankung auftreten können zu unterscheiden von eher harmlosen Beschwerden, wie sie bei Stress, Ängsten oder Ärger auftreten können.
 
Liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer, Sie sehen schon: Das Zusammenspiel zwischen Psyche und Herz ist extrem komplex und zum Glück hat sich innerhalb der Kardiologie jetzt ein eigener Forschungszweig herausgebildet, die Psychokardiologie, die diesen komplexen Krankheitsbildern gerecht wird. Und betroffenen Menschen, die sowohl eine organische Herzerkrankung haben, beziehungsweise die unter Beschwerden leiden, die sie auf das Herz projizieren, die aber gleichzeitig auch seelische oder psychische Probleme haben, denen kann jetzt viel effektiver geholfen werden. Ich denke wichtig ist vor allen Dingen, dass wir psychische Beschwerden und seelische Belastungen auf Dauer eben nicht einfach nur hinnehmen, sondern als beinharten Risikofaktor für unsere Gesundheit wirklich ernst nehmen und uns dann auch rechtzeitig um Hilfsangebote kümmern. Denn entgegen der öffentlichen Wahrnehmung gibt es für die allermeisten psychischen Leiden wie Angststörungen, Depressionen, Dauerstress aber auch Schlafstörungen hochwirksame medizinische Behandlungsverfahren! Die Psychotherapie zum Beispiel, die zählt nachweislich zu den effektivsten und gleichzeitig nebenwirkungsärmsten medizinischen Behandlungsverfahren überhaupt.
 
Wenn Sie sich jetzt angesprochen fühlen dann suchen Sie frühzeitig das vertrauensvolle Gespräch mit ihrem Hausarzt oder Kardiologen und dann können Sie gemeinsam ein genau für Sie individuell passendes Hilfsangebot finden. Und das kann reichen von einfach nur vermehrter körperlicher, sportlicher Aktivität zum Beispiel in einer Herzsportgruppe über das Erlernen eines Entspannungsverfahrens oder von Stressmanagementtechniken bis hin zu einer ambulanten oder stationären psychotherapeutischen oder psychokardiologischen Betreuung.
 
Also, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, 
achten Sie von jetzt an nicht nur auf Ihr körperliches, sondern vor allen Dingen verstärkt auch auf Ihr seelisches Wohl! Das war es von meiner Seite, bleiben Sie schön gesund,
 
Ihr Dr. Heart 😉

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