Herz und Depression

Stefan Waller ist seit mehreren Jahren praktizierender Internist und Kardiologe und hat sich aus Leidenschaft der Vermittlung komplexer medizinischer Sachverhalte in möglichst einfacher und verständlicher Sprache gewidmet.

Erfahren Sie mehr über Dr. Heart und sein Dr. Heart Projekt.
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    Die Depression – Leider immer noch viel zu häufig übersehen…

    Depressionen trüben nicht nur unsere Lebensfreude sondern erhöhen auch unser Herz-Kreislaufrisiko. Aber: Es gibt Hoffnung!

    Was hat eine Depression mit unserer Herzgesundheit zu tun? Sehr viel, was genau und was man gegen Depressionen tun kann werde ich Ihnen in diesem Video erklären.

    Zunächst ein paar Worte zur Depression: Die Depression ist eine echte Volkserkrankung, jeder 5. Deutsche erkrankt in seinem Leben an einer Depression, bei chronisch, also dauerhaft erkrankten Menschen, also auch Herzpatienten, ist dieser Anteil natürlich noch viel höher. Obwohl die Depression heutzutage gut behandelbar ist wird sie leider immer noch viel zu häufig übersehen, aus falscher Scham verleugnet oder bagatellisiert.

    Wenn Sie eine der folgenden 2 Fragen, nämlich:

    • “Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?” und
    • “Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?”

    mit ja beantworten können, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Depression sehr hoch und Sie sollten sich um professionelle Hilfe bemühen.

    Leider trübt eine unbehandelte Depression nicht nur die Lebensfreude sondern sie begünstigt auch das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche. Daneben beeinflusst eine Depression aber auch den Verlauf bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankungen sehr ungünstig.

    Wie ist das zu erklären?

    Zunächst einmal beobachtet man bei depressiven Menschen krankheitsbedingt auch einen ungesünderen Lebensstil, es wird mehr geraucht, ungesünder gegessen und weniger auf ausreichend Bewegung geachtet.

    Daneben fällt es depressiven Menschen schwerer ihre Medikamente regelmäßig einzunehmen, was natürlich den Verlauf einer Herzerkrankung sehr negativ beeinflussen kann.

    Aber auch körperliche Veränderungen tragen zu der schlechteren Prognose von depressiven Patienten bei. So ist das Stresslevel bei Depressiven meist erhöht, es kommt zu einer verstärkten Ausschüttung von Stresshormonen mit resultierender erhöhter Herzschlagfrequenz, überschießenden Herzschlagfrequenzanstiegen und Neigung zu Herzrhythmusstörungen bis hin zu einer erhöhten Gefahr des plötzlichen Herztodes. Darüber hinaus beobachtet man Veränderungen des Stoffwechsels mit einem erhöhten Spiegel von Entzündungsfaktoren, einer aktivierten Blutgerinnung und ungünstigen Veränderungen der Blutfettwerte. All diese Veränderungen erhöhen zusammen genommen das Herz-Kreislauf-Risiko von depressiven Menschen beträchtlich.

    Aber nicht nur verschlechtert die Depression den Verlauf einer Herzerkrankung sondern umgekehrt begünstigt eine schwere Herzerkrankung natürlich auch das Auftreten einer Depression. Menschen mit einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium III und IV) leiden in 40% der Fälle unter einer depressiven Symptomatik.

    Wenn Sie also bei sich oder einer anderen Person den Verdacht haben, dass eine Depression vorliegen könnte zögern Sie nicht sondern wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt, der Ihnen weiter hilft. Und zum Schluss verrate ich Ihnen noch etwas persönliches: Ich hatte wie Millionen anderer Menschen auch schon einmal eine depressive Episode und daher kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, es ist nichts wofür man sich schämen müsste und vor allem: man kann es, wie Sie hoffentlich sehen können, hervorragend behandeln!

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