Dicke Beine – Was kann das sein?

Von Dr. Stefan Waller, Internist und Kardiologe
Stefan Waller ist seit mehreren Jahren praktizierender Internist und Kardiologe und hat sich aus Leidenschaft der Vermittlung komplexer medizinischer Sachverhalte in möglichst einfacher und verständlicher Sprache gewidmet.

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und Linda Weißer, Ärztin und Ernährungsberaterin
Linda Weißer ist approbierte Ärztin und leidenschaftliche Ernährungsberaterin, letzteres offline und online über ihren Blog alimonia.net.
Daneben ist Sie über die Charité Berlin angestellt als chief medical researcher für PAN, die "physicians' association for nutrition".

Wie und warum kommt es zu Wassereinlagerungen in den Beinen?

Dicke Beine durch Wassereinlagerungen in den Unterschenkeln, durch sogenannte Unterschenkelödeme: Wo kommen sie her? Worauf können sie hinweisen? Sind sie vielleicht gefährlich?

Liebe Leserinnen und Leser, 

bestimmt sind Ihnen auch schon einmal „dicke Beine“, also derartig stark angeschwollene Unterschenkel und Füße, die man häufig bei älteren Menschen sehen kann, aufgefallen oder vielleicht waren oder sind Sie sogar selbst betroffen. Heute erfahren Sie, wie es zu diesen dicken, geschwollenen Beinen kommen kann und vor allem, ob das vielleicht sogar gefährlich für Sie sein kann!

„Dicke Beine“ werden im medizinischen Fachjargon auch als „Ödeme“ bezeichnet. Ödeme sind ganz einfach Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe, die allerdings unterschiedlichste Ursachen haben können. Allen wasserbedingten Ödemen gemein ist jedoch, dass beim Eindrücken der geschwollenen Haut derartige Dellen im Gewebe zurückbleiben.

Am häufigsten sind Ödeme ein „Stauungssyndrom“, d.h., aus unterschiedlichen Gründen staut sich das Blut in den Blutgefäßen an und wird dann aus dem Blut gewissermaßen in das umliegende Gewebe abgepresst und lagert sich dort ab. 

Im Falle einer Thrombose, z.B. einer Beinvenenthrombose, wird eine Beinvene durch ein Blutgerinnsel verstopft, sodass das Blut nicht mehr zum Herzen abtransportiert werden kann. 

Es staut sich, z.B. in den Fuß oder in den Unterschenkel zurück, und die Flüssigkeit wird quasi aus dem Blut in das umliegende Gewebe abgepresst, sodass das betroffene Bein anschwillt. Typisch ist hierbei dann eine einseitige Schwellung auf der von dieser Thrombose betroffenen Seite.

Im Falle eines sogenannten Lymphödems ist der Abfluss von Lymphflüssigkeit über die Lymphgefäße gestört und Lymphwasser wird in das Gewebe abgepresst. Dies kann z.B. durch eine Operation mit Verletzung der Lymphgefäße oder durch eine Bestrahlung im Rahmen einer Krebserkrankung, die ebenfalls zu einer Schädigung des Gewebes führen kann, auftreten. 

Auch ein Eiweißmangel, wie er z.B. bei einer Lebererkrankung, bei Mangelernährung oder einer Nierenkrankheit auftritt, kann dazu führen, dass Flüssigkeit in das umliegende Gewebe abwandert, da nicht mehr ausreichend Eiweiße im Blut vorhanden sind, die die Flüssigkeit ja normalerweise an sich binden und damit die Flüssigkeit im Blutgefäß halten können. Hier kommt es jedoch weniger zu den „klassischen“ dicken Beinen, sondern vielmehr zu Flüssigkeitsansammlungen im gesamten Körper, und z.B. auch an den Augenlidern. 

In der 3. Welt sieht man häufiger noch derartige schreckliche Bilder eines „Hungerbauches“, der ebenfalls durch Wasseransammlungen infolge eines Eiweißmangels bei Mangelernährung auftritt.

Am häufigsten muss allerdings in unseren Breiten, gerade bei beidseitig auftretenden Ödemen in den Füßen und Unterschenkeln, an eine Herz- und/oder Nierenschwäche gedacht werden!

Unsere Nieren regulieren ja unseren Flüssigkeitshaushalt. Bei einer Nierenschwäche kann unser Körper nicht mehr ausreichend Wasser ausscheiden. Was passiert? Die überschüssige Flüssigkeit tritt in das Gewebe aus, bevorzugt in die Beine, wo die Schwerkraft am stärksten wirkt und es bilden sich dort Ödeme.

Aber wieso verursacht nun ein schwaches Herz dicke Beine?

Ist die Pumpleistung des Herzens eingeschränkt, kommen zwei Phänomene zum Tragen:

Zum einen staut sich bei einer Herzschwäche aufgrund der Pumpleistungsschwäche das Blut vor dem Herzen in den venösen Körperkreislauf zurück. Dies führt gemäß des schon oben genannten Stauungssyndroms dazu, dass sich das Blut in den Beinen zurückstaut und Flüssigkeit in das umliegende Gewebe, der Schwerkraft folgend v.a. in die Beine abgepresst wird, so dass diese dann anschwellen. 

Zum anderen werden bei einer Pumpschwäche des Herzens die Nieren weniger durchblutet. Diese „missverstehen“ dies aber, da normalerweise eine verminderte Durchblutung der Nieren für einen zu niedrigen Blutdruck im Körper spricht. Die Nieren scheiden also weniger Wasser aus, damit der Blutdruck wieder ansteigt. 

Im Falle einer Herzschwäche ist dieser Mechanismus der Nieren aber wenig sinnvoll, denn es wird viel zu viel Wasser einbehalten, und dieses sammelt sich dann im Körper, also bevorzugt in den Beinen an. 

„Dicke Beine“, können daher also ein wichtiger Hinweis auf eine Herzschwäche sein, die ja unbehandelt eine sehr ernste Prognose hat und daher nicht übersehen und v.a. konsequent behandelt werden sollte! Schauen Sie hierzu am besten in meine anderen Videos zur Herzschwäche!

Also, liebe Leserinnen und Leser,

wie Sie jetzt gelernt haben, gibt es unterschiedliche Gründe für Wasseransammlungen im Gewebe, sog. Ödeme. Eine einseitige Beinschwellung kann auf eine Beinvenenthrombose, ein Lymphödem oder auch ein entzündliches Geschehen hindeuten, was zügig behandelt werden sollte um weitere Komplikationen, wie z.B. auch eine gefährliche Lungenembolie zu vermeiden. 

Sind beide Unterschenkel betroffen kann dies auf eine Erkrankung Ihres Herzen, Ihrer Niere oder Ihrer Leber hinweisen. Gerade, wenn bei Ihnen schon eine Herzschwäche bekannt ist, können zunehmende Beinödeme auf eine drohende Dekompensation, also ein „aus dem Ruder laufen“ Ihrer Herzschwäche hinweisen, die eine dringliche Anpassung Ihrer Behandlung erfordert, um einen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden.

Also, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, geschwollene Beine nicht ignorieren, sondern rechtzeitig von Ihrem Arzt des Vertrauens abklären lassen!

 

 

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