Herz-Mythen Teil 1

Von Dr. Stefan Waller, Internist und Kardiologe
Stefan Waller ist seit mehreren Jahren praktizierender Internist und Kardiologe und hat sich aus Leidenschaft der Vermittlung komplexer medizinischer Sachverhalte in möglichst einfacher und verständlicher Sprache gewidmet.

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und sein Dr. Heart Projekt.
und Linda Weißer, Ärztin und Ernährungsberaterin
Linda Weißer ist approbierte Ärztin und leidenschaftliche Ernährungsberaterin, letzteres offline und online über ihren Blog alimonia.net.
Daneben ist Sie über die Charité Berlin angestellt als chief medical researcher für PAN, die "physicians' association for nutrition".

Die Top 10 Mythen rund um unser Herz – Nr. 10 bis 6

Um unsere Herz ranken sich viele Mythen. Was ist Fakt, was ist Fiktion? Dr. Heart beginnt mit der Aufklärung von Mythos 10 bis 6!

Liebe Leserinnen und Leser,

viele, viele Mythen ranken sich um unseren Lebensmotor, unser Herz. An manchen ist etwas dran, andere gehören eher in das Reich der Märchen und bei einigen Herzmythen kann es sogar gefährlich sein, daran zu glauben und danach zu leben, schauen wir also mal etwas genauer rein!

Mythos #10: Ich merke schon, wenn ich herz- oder gefäßkrank bin

Hier muss ich direkt mit einem eindeutigen JAIN beginnen. Denn natürlich gibt es typische Beschwerden wie Luftnot oder Druck auf der Brust, die auf eine Herzerkrankung hinweisen können. Diese treten aber leider oftmals erst sehr spät auf. Auch viele begünstigende Erkrankungen, wie z.B. ein hoher Blutdruck, bleiben häufig lange Zeit unentdeckt. Denn Bluthochdruck verursacht keine Schmerzen und auch sonst meist keine typischen Symptome. Wer also nicht regelmäßig seinen Blutdruck messen lässt, kann auch jahrelang damit leben bis es dann letztendlich  sehr häufig ohne Vorwarnung, quasi aus heiterem Himmel, zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen Komplikationen kommt. 

Regelmäßig den Blutdruck checken, auch wenn Sie keine Beschwerden haben, ist also eine der besten Lebensversicherungen überhaupt!

Auch Herzrhythmusstörungen, wie z.B. Vorhofflimmern, werden von vielen Menschen oftmals nicht verspürt, im schlimmsten Fall kann sogar ein Schlaganfall erstmalig auf ein bislang unentdecktes Vorhofflimmern hinweisen. 

Deshalb macht es auch Sinn, gerade bei Risikopersonen mit verschiedensten „Devices“, wie z.B. einer Smartwatch, nach Vorhofflimmern zu fahnden. Ich denke, das wird in nicht all zu ferner Zukunft Standard sein.

Und last but not least gibt es viele Menschen, wie z.B. Diabetiker, die aufgrund einer durch die dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel bedingten Schädigung der Schmerzfasern des Herzens, gar keine typischen Schmerzen wahrnehmen und teilweise sogar einen Herzinfarkt nicht bemerken, was man dann als „stummen Herzinfarkt“ bezeichnet.

Also: Nein, leider merke ich es nicht immer, wenn ich herzkrank bin, daher ist wie immer die Vorsorge so wichtig!

Mythos #9: Durch einen Schreck kann das Herz stehen bleiben

Sie alle kennen die Redewendung „Mir ist vor Schreck fast das Herz stehengeblieben!“. Beim gesunden Menschen ist es fast unmöglich, dass so etwas passiert, selbst wenn er oder sie gewaltig geschockt wird. Aufpassen müssen allerdings Menschen mit Vorerkrankungen am Herzen: Bei Gefäßerkrankungen wie z.B. der koronaren Herzkrankheit kann es durch den extremen Adrenalinausstoß zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen kommen. Daneben kann theoretisch auch eine instabile Ablagerung, eine Plaque, durch eine durch den Schreck hervorgerufene Blutdruckspitze aufreissen und schlimmstenfalls einen Infarkt hervorrufen. 

Und dann gibt es ja auch noch das ominöse „Broken-Heart-Syndrom“, bei dem nach heftiger Erregung, z.B. nach dem Tod eines geliebten Menschen, einem Unfall oder einer großen Überraschung, Herzinfarkt-ähnliche Symptome auftreten. Hier erholt sich der Herzmuskel aber meist wieder, im Gegensatz zu einem „richtigen“ Herzinfarkt.

Mythos #8: Wer herzkrank ist, darf sich nur möglichst wenig bewegen

Es ist noch gar nicht so lange her, dass sogar wir Ärzte das geglaubt und unseren Patienten geraten haben! Dabei ist das natürlich in den allermeisten Fällen grundfalsch! Es gibt nur sehr wenige Menschen, denen geraten wird, aufgrund ihrer Herzerkrankung gar keinen Sport zu treiben, und wenn, dann betrifft diese Einschränkung meistens auch nur den ehrgeizig betriebenen Leistungssport 

Regelmäßig durchgeführter „Gesundheitssport“ ist hingegen fast schon ein Allheilmittel. Ich empfehle ihn daher auch fast jedem meiner Patientinnen und Patienten. Denn Sport und Bewegung wirken sich positiv auf fast alle unsere sogenannten Risikofaktoren aus und schützen somit vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und selbst nach einem bereits erlittenen Herzinfarkt kann regelmäßiger Sport und Bewegung das Risiko eines erneuten Infarktes halbieren! Stellen Sie sich das mal vor, halbieren! Das schafft allein kein Medikament!

Also, runter vom Sofa! Schauen Sie am besten mal in meine Sportvideos, und wenn Sie Herzpatient sind oder lange keinen Sport betrieben haben, dann lassen Sie sich natürlich vorher bei Ihrem Vertrauensarzt oder Kardiologen durchchecken.

Mythos #7: Kalkhaltiges Wasser verkalkt die Gefäße

Atherosklerose wird im Volksmund ja auch als „Arterienverkalkung“ bezeichnet. Bislang konnte jedoch keine Studie einen Zusammenhang zwischen kalkhaltigem Trinkwasser und Herzerkrankungen feststellen. Man kann zwar tatsächlich Calciumkristalle, also „Kalk“, in den Ablagerungen, den Plaques verstopfter Arterien finden, aber diese sind eher die Folge der entzündlichen Veränderungen bei der Atherosklerose und nicht die Ursache. 

Mythos #6: Atherosklerose entsteht erst im hohen Alter

Viele Menschen glauben, dass Atherosklerose eine Alterserscheinung ist, weil Herzinfarkte und Schlaganfälle meistens bei älteren Menschen auftreten. Statistisch gesehen ist das zwar richtig, aber der Prozess der Atherosklerose, also der „Arterienverkalkung“ ist ein kontinuierlicher Prozess, der bereits zu Beginn des Lebens beginnt und dann unterschiedlich schnell voranschreitet, abhängig v.a. von unserem Lebensstil!

In der sogenannten Bogalusa Heart Study (1998) hatten 50 Prozent aller Kinder im Alter von 2-15 Jahren schon fettige Ablagerungen in ihren Herzkranzarterien, und 8 Prozent bereits Plaques! Im Alter von 26 bis 39 wiesen sogar bereits 69 Prozent aller Studienteilnehmer Plaques in den Herzkranzgefäßen auf! 

Was lernen wir also daraus: Wir können gar nicht früh genug damit anfangen, uns um einen klugen und gesunden Lebensstil zu bemühen, um unsere Arterien jung und gesund zu halten!

Schauen Sie für etwas Anregung ruhig mal in meine zahlreichen Videos zum Lebensstil, dort ist mit Sicherheit auch für Sie was dabei!

Liebe Leserinnen und Leser, das war der erste Teil unserer Top-10-Serie, der zweite spannende Teil folgt in Kürze. Vergessen Sie nicht, diesen Beitrag zu teilen,

bis dahin, bleiben Sie schön gesund,

Ihr Dr. Heart 

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