Herz-Mythen Teil 2

Von Dr. Stefan Waller, Internist und Kardiologe
Stefan Waller ist seit mehreren Jahren praktizierender Internist und Kardiologe und hat sich aus Leidenschaft der Vermittlung komplexer medizinischer Sachverhalte in möglichst einfacher und verständlicher Sprache gewidmet.

Erfahren Sie mehr über Dr. Heart
und sein Dr. Heart Projekt.
und Linda Weißer, Ärztin und Ernährungsberaterin
Linda Weißer ist approbierte Ärztin und leidenschaftliche Ernährungsberaterin, letzteres offline und online über ihren Blog alimonia.net.
Daneben ist Sie über die Charité Berlin angestellt als chief medical researcher für PAN, die "physicians' association for nutrition".

Die Top 10 Mythen rund um unser Herz – Nr. 5 bis 1

Um unser Herz ranken sich viele Mythen. Was ist Fakt, was ist Fiktion? Weiter geht’s mit der Aufklärung von Mythos 5 bis 1!

Liebe Leserinnen und Leser,

im ersten Teil unserer Top-10-Herzmythen-Serie haben Sie u.a. erfahren, ob einem durch einen Schreck tatsächlich das Herz stehen bleiben kann, und ob die Atherosklerose, also die „Gefäßverkalkung“ tatsächlich eher ein Thema für alte Menschen ist.

Jetzt geht es mit fünf spannenden Herzmythen weiter!

Mythos #5: Sex ist nach dem Herzinfarkt verboten

Dieser Mythos ist glücklicherweise ebenfalls – falsch!

Es gibt keinen Grund dafür, dass Sie sich nach dem Herzinfarkt in Ihrem Liebesleben einschränken müssten – solange Sie sich danach fühlen und in einem stabilem Gesundheitszustand sind. Die körperliche Belastung beim Sex entspricht etwa 1-2 Etagen Treppensteigen, die Herzfrequenz ist ähnlich wie beim Rasenmähen oder leichter Hausarbeit, liegt also normalerweise völlig im Rahmen, auch wenn es hier vielleicht einige Matratzenakrobaten gibt, die ihren Puls etwas mehr in Wallungen bringen als andere…  

Wenn Sie also 1-2 Etagen Treppensteigen im Alltag gut bewältigen können, dann steht auch Ihrem Liebesspiel nichts im Wege, schauen Sie hierzu und auch zu der Frage der kleinen blauen Helferchen am besten mal in mein Video zum Thema.

Mythos #4: Egal ob Mann oder Frau, ein Herzinfarkt zeigt sich immer gleich

Auch das ist falsch, denn eine Herzerkrankung kann sich bei Männern und Frauen unterschiedlich äußern. Die meisten Menschen haben bei einem Herzinfarkt tatsächlich häufig das typische Gefühl, dass ihnen ein „Elefant auf der Brust“ sitzt, aber es gibt auch weniger klassische Beschwerden, und diese betreffen häufiger Frauen. Eine Studie in der Zeitschrift Circulation fand z.B. heraus, dass fast die Hälfte, nämlich 43 Prozent der Frauen, keine Brustschmerzen bei ihrem Herzinfarkt verspürten! Im Vordergrund standen häufig Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Erschöpfung oder Übelkeit. 

Außerdem unterscheiden sich Männer und Frauen in dem typischen Alter, einen Herzinfarkt zu bekommen. Männer bekommen ihn am häufigsten in ihren 50ern, Frauen dagegen erst ca. 10 Jahre später. Dies liegt vermutlich am herzschützenden „Frauenhormon“ Östrogen. 

Mythos #3: Wenn man Bluthochdruck hat, helfen nur noch Medikamente / Wenn man schon Medikamente nimmt, ist der Lebensstil sowieso egal

Bei einem sehr hohen Blutdruck sind blutdrucksenkende Medikamente notwendig, aber mit einem gesunden Lebensstil kann man häufig die Menge an notwendigen Medikamenten reduzieren. Und in vielen Fällen von nur leicht erhöhtem bzw. beginnendem Bluthochdruck kann es auch schon ausreichen, sich gesund zu ernähren, abzunehmen, Sport zu treiben und mit dem Rauchen aufzuhören, sodass man um Medikamente teilweise sogar ganz herumkommt! 

Und das gilt natürlich nicht nur für den Blutdruck, sondern auch für andere Risikofaktoren wie den Cholesterinspiegel. Auch wenn man hier gerade als Herzpatient auf die Einnahme von Cholesterinsenkern, meist Statinen, häufig nicht verzichten kann, kann man mit konsequenter Verbesserung des Lebensstils doch sehr viel erreichen, auch wenn man immer wieder anderslautende Aussagen hört. 

Ich habe z.B. durch Ernährungsverbesserung, Gewichtsabnahme und Sport meinen LDL-Cholesterinspiegel von 156 mg/dl auf 108 mg/dl absenken können…

Also: Im Vordergrund steht immer der Lebensstil, wenn Sie allerdings bereits erkrankt sind, dann müssen meist zusätzlich, aber nicht alternativ zu Ihrem Lebensstil auch einige Medikamente ran.

Mythos #2: Ob wir einen Herzinfarkt bekommen, wird durch unsere Genetik bestimmt

Das genetische Gepäck, das wir von unseren Eltern mit auf den Weg bekommen, spielt tatsächlich eine wichtige Rolle, auch bei der Entwicklung vieler Herzkrankheiten. 

Aber:  

Wie meine Biolehrerin schon immer zu sagen pflegte: 

Die Genetik mischt die Karten, die Umwelt spielt mit ihnen!

Diese „Umwelt“, das ist v.a. unserer Lebensstil, und den haben wir selber in der Hand! Studien zeigen z.B., dass wir etwa 90% aller Herzinfarkte und 80% aller Schlaganfälle durch gesunden, klugen Lebensstil vermeiden können, also, worauf warten wir?!

Mythos #1: Wenn man keinen Alkohol trinkt, sollte man schleunigst damit anfangen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen

Dies ist jetzt tatsächlich eine etwas traurige Nachricht. Bis vor kurzem konnte man ja noch überall lesen, dass moderate Mengen alkoholischer Getränke unserer Gesundheit eher zuträglich seien.

Leider hat uns nun die Melinda und Bill Gates-Stiftung mit einer großen Studie diese letzte Hoffnung nun auch noch zerstört. Selbst in geringen Mengen scheinen die negativen Folgen des Alkohols, wie z.B. eine erhöhte Rate an Krebserkrankungen zu überwiegen, sodass es die „schützende“ geringe Alkoholdosis wohl nicht zu geben scheint.

Ob wir uns nun deshalb den Alkohol komplett verkneifen, oder doch hier und da mal ein Gläschen in Ehren gönnen, diese Entscheidung, liebe Leserinnen und Leser, kann ich Ihnen nicht abnehmen.

Ich halte es mit den Worten meines alten Professors: Das Leben ist eine sexuell übertragbare Erkrankung mit stets tödlichem Ausgang.

In diesem Sinne, ich hoffe wir, also meine Kollegin Linda Weißer, die diesen Beitrag mit recherchiert hat, und ich konnten Ihnen ein paar schöne Aha-Momente bescheren,

vergessen Sie bitte nicht diesen Beitrag zu teilen, 

bis dahin, bleiben Sie schön gesund und hören Sie auf Ihr Herz!

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