Vorhofflimmern – Rhythmuskontrolle

Wieder im richtigen Takt! Die rhythmuserhaltende Behandlung des Vorhofflimmerns

Vorhofflimmern red

Das Vorgehen der zweiten Strategie, der sog. Rhythmuskontrolle, ist schon sehr viel aufwändiger und vielfältiger. Verschiedene Möglichkeiten mit unterschiedlichen Erfolgsaussichten stehen zur Verfügung. (Video geplant)

Zunächst einmal kann das Vorhofflimmern mithilfe einer sog. elektrischen Kardioversion beendet und der regelmäßige Sinusrhythmus wiederhergestellt werden. Hierbei wird unter einer Kurznarkose ein Strom appliziert, der dazu führt, dass sämtliche Herzmuskelzellen komplett elektrisch entladen werden und somit wieder der normale, regelmäßige Sinusrhythmus das Kommando übernehmen kann. Allerdings beträgt die Rückfallrate ohne eine weitere Behandlung 30 % nach einer Woche und bis zu 75 % nach einem Jahr, abhängig von den gleichzeitig vorliegenden Risikofaktoren. Durch die Einnahme verschiedener Medikamente, sog. Antiarrhythmika, kann die Wiederauftretenswahrscheinlichkeit des Vorhofflimmerns reduziert, jedoch nicht beseitigt werden. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die je nach vorliegender Herzerkrankung speziell ausgewählt werden können zum Teil jedoch auch relevante Nebenwirkungen aufweisen. Hierzu gehören Medikamente wie Flecainid, Propafenon, Dronedaron oder das bislang wirksamste aber auch nebenwirkungsreichste Medikament, das Amiodaron.

Bei sehr selten auftretenden Episoden von Vorhofflimmern, d.h. wenn die Episoden seltener als 3x pro Monat auftreten, kommt auch das sog. “pill in the pocket”-Prinzip in Frage. Hierbei kann der Patient, der seine Vorhofflimmerepisoden regelmäßig bemerkt, im Bedarfsfall eine “Rhythmuspille” einnehmen, bei geeigneten Patienten lässt sich hierdurch der regelmäßige Sinusrhythmus bei ca. 90% der Patienten in 1-2 Std. wiederherstellen. Verwendet werden hierfür Medikamente wie das Flecainid und das Propafenon. Vor dem Beginn einer solchen Behandlung muss die Verträglichkeit dieser Rhythmusmedikamente im Krankenhaus oder beim Kardiologen getestet werden.

In den letzten Jahren setzen sich zunehmend sog. Katheterablationsverfahren zur Behandlung des Vorhofflimmern durch. Dies sind Herzkathetertechnik  gestützte Methoden, bei denen mittels Strom bzw. durch Kälte im Bereich der Herzvorhöfe Gewebe zerstört wird und somit Narben gebildet werden. Ziel ist es durch die gezielte Narbenbildung die Weiterleitung elektrischer Störimpulse, die man für das Vorhofflimmern verantwortlich macht, zu verhindern. Die hierbei am häufigsten eingesetzte Methode ist die sog. Pulmonalvenenisolation. nachdem man festgestellt hat, dass ein Großteil der elektrischen Störimpulse, die das Vorhofflimmern verursachen, aus dem Bereich der sog. Lungenvenen in den linken Herzvorhof einströmen, versucht man durch die sog. Pulmonalvenenisolation diesen Bereich durch gezielte Narbenbildung mittels Applikation von Hochfrequenzstrom beziehungsweise Kälte elektrisch zu isolieren. Der Eingriff dauert insgesamt circa 1 bis 2 Stunden, die Erfolgsrate liegt mit bis zu 80 % deutlich über der einer medikamentösen Behandlung, dies gilt jedoch nur für gut geeignete Patienten. Dies sind vor allen Dingen Patienten die keine wesentliche Herzvorerkrankung haben, deren Herzvorhöfe noch nicht deutlich vergrößert sind und die an einem paroxysmalem Vorhofflimmern leiden, also eine frühe Form der Herzrhythmusstörung aufweisen, bei der das Vorhofflimmern nicht ständig besteht. Darüber hinaus ist häufig ein Zweit- oder Dritteingriff notwendig, um das Vorhofflimmern tatsächlich beseitigen zu können. Komplikationen treten in weniger als 2 % der Behandlungen auf, diese können in einer Verengung der Pulmonalvenen, einer Perforation mit nachfolgendem Herzbeutelerguss bis hin zu einem Schlaganfall reichen. Behandlungsmethode kontinuierlich zu, sodass auch die Komplikationsraten rückläufig sind.
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