Herz und Fußball

Auch “Passivsport” vor dem Fernseher oder als Zuschauer im Stadium kann bei schon vorhandener Herzkrankheit gefährlich werden. Aber: Sie können sich schützen.

Mit diesen einfachen Tipps schonen Sie ihr Herz-Kreislauf-System, wenn es beim Fußball-Schauen mal wieder heiß hergeht.

So manche Ehefrau sieht der nahenden EM vielleicht schon ganz bange entgegen und hofft, dass Sie an Ihrem Mann ohne größere Herzprobleme vorüberzieht. In der Tat kann ein zu starkes Mitfiebern bei Sportereignissen für ein bereits „angeschlagenes“ Herz-Kreislauf-System zur Gefahr werden kann.

Darf ich denn nun mit gutem Gewissen die EM genießen? Die gute Nachricht vorweg: Ein gesundes Herz verträgt ein noch so spannendes Fußballspiel, selbst wenn es am Ende ein nervenaufreibendes 11m-Schießen gibt. Anders hingehen kann es aussehen bei Menschen, die bereits an einer Herzerkrankung wie der koronaren Herzerkrankung leiden. Hier kann es theoretisch tatsächlich durch stressbedingte Blutdruckspitzen zu einem Einreißen von instabilen Ablagerungen, sog. Plaques, in den Herzkranzarterien mit dann nachfolgendem Herzinfarkt kommen. Dieser Zusammenhang konnte bei der WM 2006 sogar wissenschaftlich nachgewiesen und im weltberühmten New England Journal of Medicine veröffentlicht werden. Es zeigte sich, dass Männer während spannender Spiele mehr als dreimal so viele Herzinfarkte erlitten wie in einem Kontrollzeitraum ohne Fußball-WM.

Bildschirmfoto 2016-06-05 um 08.31.20

Heißt das nun, dass Sie als Herzpatient die EM nicht genießen dürfen? Natürlich nicht! Es gibt aber ein paar sinnvolle Tipps, die Sie berücksichtigen sollten, um Ihr persönliches Risiko zu minimieren:

  • Schauen Sie nicht nur den Spielern während des Spiels beim Rennen und Schwitzen zu, sondern bleiben Sie, insbesondere während der Turnierwochen auch selber sportlich aktiv, das hilft ihr Stresslevel zu senken und den Blutdruck besser zu kontrollieren
  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Blutdruck gut eingestellt ist und halten Sie bei grenzwertigen oder ungenügend kontrollierten Werten Rücksprache mit Ihrem Arzt
  • Nehmen Sie Ihre Herz- und Blutdruckmedikamente regelmäßig und rechtzeitig vor dem Spiel ein. Wenn Sie so eine richtige “Heißdüse” sind, also besonders dazu neigen schnell aus der Haut zu fahren, dann können Sie sogar mit Ihrem Arzt diskutieren z.B. ihren abendlichen Betablocker ggf. etwas höher zu dosieren, um sich vor gefährlichen Blutdruckspitzen zu schützen.
  • Wenn Sie zu Angina pectoris-, also Brustschmerz-Anfällen neigen, sollten Sie Ihr Nitro-Spray immer in greifbarer Nähe haben.
  • Besonders verqualmte und verrauchte Kneipen sind als public-viewing Stätten zu meiden, Sie wissen ja, auch Passivrauchen belastet Ihr Herz
  • Wenn Sie selber merken, dass Ihnen die Spannung zu belastend wird, dann gönnen Sie sich eine kleine Auszeit auf dem Balkon und nutzen Sie vielleicht auch die Halbzeit, um wieder schön runter zu kommen, anstatt sich in einem Streitgespräch mit anderen Fußballexperten zu duellieren.
  • Wie steht’s mit Alkohol? Auch hier gilt wie immer: Alles eine Frage der Dosis! Während zu große Mengen alkoholischer Getränke den Blutdruck steigern und damit unser Herz belasten kann ein Glas Bier oder Wein sogar helfen das Spiel im wahrsten Sinne des Wortes etwas entspannter anzugehen.
  • Sollten trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bei Ihnen oder einer anderen Person Beschwerden wie Brustschmerz oder Luftnot auftreten, dann alarmieren Sie umgehend den Notarzt, warten Sie nicht bis zum Ende des 11m-Schießens!

Letzter und vielleicht wichtigster Punkt: Genießen Sie die Spiele, ein minimales Restrisiko ist im Leben nie ganz auszuschließen oder wie mein alter Kardiologieprofessor immer sagte: Das Leben ist eine sexuell übertragbare Erkrankung mit stets tödlichem Ausgang..” In diesem Sinne, genießen Sie Ihr Leben und zwar jetzt!

das könnte Sie auch interessieren:

Herzinfarkt bei Frauen – Was ist anders?

Mit diesen einfachen Regeln 4 von 5 Herzinfarkten verhindern!

Länger leben durch Joggen – was ist die richtige Dosis?

Länger leben durch Sauna – So machen es die Finnen

Betablocker – Ein Muss für jeden KHK-Patienten?

Sport gegen Vorhofflimmern – die CARDIO-FIT Studie

 

zurück zum Hauptmenü